Problempatient Pflege

Befreiungsschläge reichen nicht aus

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Das Thema Pflege ist keines, mit dem man die Herzen der nicht betroffenen Wähler gewinnt. Wer denkt schon gerne darüber nach, dass er selbst eines Tages alt oder krank sein wird, oder beides? Nicht nur deshalb ist es für einen Politiker undankbar, dieses Feld zu beackern. Das merkt gerade auch Gesundheitsminister Jens Spahn.

Zu groß und verworren sind die Probleme, als dass man sie mit Befreiungsschlägen lösen könnte. Ein Beispiel: Will der Minister zusätzliche Stellen in der Altenpflege schaffen, stehen ihm Bürokratie und Fachkräftemangel im Weg. Schafft er es trotzdem, droht er damit die ambulanten Pflegedienste zu schwächen, denen schließlich auch Leute fehlen. Zudem bedeuten zusätzliche Stellen zusätzliche Kosten, was wiederum die ohnehin schon stark belasteten Heimbewohner an den Rand der finanziellen Machbarkeit führen könnte. Wer ein Problem löst, läuft hier immer Gefahr, ein neues zu erzeugen.

Ja, es ist eine Plattitüde, dass die Pflege die Schicksalsfrage unserer Gesellschaft ist. Das Dumme ist, dass es angesichts einer alternden Bevölkerung und dem Erodieren traditioneller Familienstrukturen wohl wahr ist. Es wird deshalb ein grundsätzliches Umdenken brauchen, einen nationalen Kraftakt – oder die Probleme werden größer.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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