US-Politik in Zeiten Trumps

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

von Redaktion

FRIEDEMANN DIEDERICHS

Täglich neu stellt man sich in Washington die Frage, welche Meldung aus dem Hause Trump das Barometer des Entsetzens am höchsten ausschlagen lässt. Ist es die Tatsache, dass der US-Präsident nun doch tatsächlich die Teilnehmer des G-7-Gipfels 2020 in sein Miami-Hotelresort bitten wird? Ist es der Fakt, dass er seine innenpolitische Rivalin Nancy Pilosi als geisteskrank abstempelt? Oder der Umstand, dass sein Stabschef es plötzlich als ganz normal darstellt, Militärhilfen an die Ukraine an die Ausforschung von Demokraten geknüpft zu haben? Oder dass Trump den Dolchstoß in den Rücken der Kurden unter anderem mit der kuriosen Behauptung rechtfertigt, der Konflikt gehe die USA nichts an, weil diese Region ja nicht an die Vereinigten Staaten grenze?

Das Tempo, mit dem sich Trump Konventionen und politischem Anstand widersetzt, ist beängstigend. Wie der Präsident Politik auf Twitter betreibt, ohne dass Filter und interne Beratung vorgeschaltet sind, ist beispiellos verstörend. Das führt auch zu dem Phänomen, dass niemand mehr weiß, wie ernst man noch die oft bizarren Aussagen des US-Präsidenten nehmen soll. Die Halbwertzeiten seiner Worte scheinen immer kürzer zu werden. Dass dabei die Glaubwürdigkeit der USA auf der Strecke bleibt, scheint Trump gar nicht zu stören.

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