Söder bleibt CSU-Chef

Seine nächsten Großbaustellen

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Die Schlachten für oder gegen Markus Söder sind geschlagen. Er ist oben, er wird vorerst oben bleiben. Das ist das nüchterne Zwischenergebnis des von viel Tamtam umwaberten Parteitags. Der Franke hat sich in einem Jahrzehnt vom unbeliebtesten Politiker Bayerns zum CSU-Alleinherrscher hochgekämpft. Ob sie ihn nun lieben oder nicht – diese Leistung respektiert seine Partei.

Söder lässt sich oberflächlich aufs Ergrünen reduzieren. Seine Mission ist breiter. Er muss die CSU durch eine Umbruchphase im Parteiensystem steuern. Erkennbar ist das Ausmaß der Verwerfungen im Osten, wo die AfD in großen Regionen stärkste Kraft ist; oder bundesweit mit dem historischen Sterben der Volkspartei SPD. In Bayern droht die CSU zerrieben zu werden zwischen zwei Milieus, den in Zahl und Lautstärke zunehmenden modernen, kosmopolitischen Städtern und der traditionsbewusster eingestellten Landbevölkerung. Söder hat mit früher undenkbaren Kurskorrekturen in der Umweltpolitik und im Land mit exzessiven Ausgabeprogrammen diese Kluft bisher mühsam kleinzuhalten versucht. Der Mehltau der Seehofer-Endphase ist weg – doch die CSU muss den Spalt zwischen beiden Gruppen dauerhaft überbrücken, sonst versinkt sie darin.

Die nächsten Schritte führen ihn vor allem nach Berlin. Zu Großbaustellen: das Problem mit dem CSU-Personal dort, das verheerende Ansehen der Koalition, der immense Vertrauensverlust in die Migrationspolitik, die nahende Wirtschaftskrise. Söder wird hier an Tempo und Härte zulegen müssen. Er wird nicht Kanzlerkandidat werden, kein Übermut – aber er muss der bräsigen Regierung Beine machen. Söder ist jetzt nicht mehr der von außen kommende Neuling, sondern einer der längergedienten Parteivorsitzenden der Regierungskoalition.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 1 von 11