Selbst der Clasico muss weichen

von Redaktion

Ein Generalstreik der Unabhängigkeitsbewegung lähmt Katalonien – betroffen sind Flüge, eine Kirche und der Fußball

Barcelona – Massendemonstrationen, schwere Unruhen und ein 24-stündiger Generalstreik haben den Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien bedrohlich angeheizt. Mehr als eine halbe Million Menschen versammelten sich am Freitagabend nach Schätzung der Stadtpolizei im Zentrum der Regionalhauptstadt Barcelona, um gegen Haftstrafen für neun Separatistenführer zu protestieren.

Die Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gracia im Zentrum Barcelonas verlief zwar ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmer allen Alters forderten in ausgelassener Stimmung die Freilassung der „politischen Gefangenen“ und sangen auch die katalanische Hymne. Unweit davon kam es aber auf einer Demo von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es war der fünfte Krawalltag in Folge in Barcelona.

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit kurzem an den Separatisten-Protesten teilnehmen, bewarfen Polizisten mit Steinen und Eiern und zündeten Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein.

Die Proteste erreichten auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Hunderte blockierten zeitweise die Zugänge zum weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) komplett geschlossen, „um die Sicherheit von Besuchern, Arbeitern und Belegschaft zu garantieren“.

An der Großkundgebung nahmen auch 30 000 Menschen teil, die in fünf „Märschen für die Freiheit“ nach Barcelona gekommen waren. Sie hatten sich vor einigen Tagen – begleitet unter anderem von zahlreichen Traktoren – von verschiedenen Städten aus auf den Weg nach Barcelona gemacht.

Die Aktionen sind eine Reaktion auf Urteile des Obersten Gerichts in Madrid, das am Montag sieben ehemalige Spitzenpolitiker der abtrünnigen Region und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen des Generalstreiks wurden dutzende Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen. Auch der Zugverkehr war beeinträchtigt, Dutzende Straßen wurden von Demonstranten blockiert.

Welche Auswirkungen die Massenproteste haben, zeigt sich auch im Fußball: Das für den 26. Oktober geplante Spitzenspiel der spanischen Liga zwischen dem Barca und Real Madrid wurde vom Verband aus Sicherheitsgründen verschoben. An dem Tag soll in der Stadt erneut eine Großdemo stattfinden. Die Partie findet nun am 18. Dezember im Stadion Camp Nou statt.

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