Parteitag der CSU

Ein Hauch von Revolution

von Redaktion

MIKE SCHIER

CSU-Parteitage – das waren oft reine Jubelveranstaltungen. Sie dienten allenfalls als Seismograf bei den Machtkämpfen zwischen den Waigels und Stoibers, Seehofers und Söders. Ansonsten wurde dem bayerischen Löwen gehuldigt und der Vorsitzende beklatscht. Ganz anders diesmal, als die Basis gegen die eigenen Spitze aufbegehrte. Das begann am Freitag nach der Rede von Markus Söder und erlebte seinen Höhepunkt, als der Parteispitze am Samstag die Frauenquote spektakulär um die Ohren flog. Generalsekretär Blume hatte den Unmut sträflich unterschätzt. Zwischenzeitlich lag sogar ein Hauch Revolutionsstimmung in der Luft: Wir da unten gegen die da oben. Söders gutes Wahlergebnis vom Vortag – vergessen.

Nun kann man sicher trefflich darüber streiten, ob die Frauenquote tatsächlich die Ungleichheit bei den CSU-Mandatsträgern beendet. Wie die FDP leidet die CSU vor allem daran, dass sich zu wenige Frauen in der Partei engagieren. Dieses Problem ändert auch eine Quote nicht. So entzündete sich ein heftiger Streit, dessen Konfliktlinien sehr uneinheitlich verlaufen – zwischen Männern und Frauen, alt und jung, Stadt und Land. Dass sich manche Männer im Ton vergriffen, wird länger nachhallen.

Jenseits des konkreten Themas spiegelt diese denkwürdige Debatte aber mehrere Probleme wider, denen sich die Parteien heute stellen müssen. Mehr als früher fordern einzelne Mitglieder ihr Recht auf Mitsprache ein. Und mehr als früher halten sie ihre Sichtweise für die einzig akzeptable. Die Fähigkeit zum Kompromiss lässt nach – was nicht nur die CSU als Volkspartei vor Probleme stellt. Auch viele CDU-Mitglieder scheinen das Ergebnis ihrer eigenen Vorsitzendenwahl nicht akzeptieren zu wollen, die SPD stimmte erst mit großer Mehrheit für die GroKo und hadert seitdem ausdauernd mit ihr. Und Söder, der die CSU modernisieren will, hat einen Vorgeschmack bekommen, wie schwierig diese Mission wird.

Mike.Schier@ovb.net

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