Die EU lässt Albanien und Nordmazedonien weiter auf die erhofften Beitrittsgespräche warten, weil Frankreich es so will. Auch wenn diese Meldung beinahe ein wenig untergegangen ist, hat sie verheerende Folgen für die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union.
Man kann mit guten Gründen der Meinung sein, dass Albanien und Nordmazedonien nicht so weit sind, EU-Mitglieder zu werden. Doch darum ging es noch lange nicht, sondern einzig um die Aufnahme von Gesprächen. Ein Prozess, der sich viele Jahre hinzieht, ohne Garantie, am Ende beitreten zu können. Die EU hat den beiden Ländern die Aussicht darauf wie eine Karotte vor die Nase gehalten. Und die taten, was man von ihnen verlangte. Um die Blockadehaltung seiner griechischen Nachbarn zu lösen, hat das frühere Mazedonien sogar seinen Namen in Nordmazedonien geändert – ein innenpolitischer Kraftakt, der das Land tief gespalten hat.
Die Enttäuschung auf dem Balkan ist nun riesig. Doch auch die EU hat eine Chance verpasst. Sie hätte ohne allzu großes Risiko in einer Region, in der auch Russland, China oder die Türkei um Einfluss kämpfen, einen weiteren Fuß in die Tür stellen können. Stattdessen hat sie klargemacht, dass man sich auf sie nicht verlassen kann.
Sebastian.Horsch@ovb.net