Eine internationale Figur (von Londons Tate Modern), aber keinen glamourösen Star haben eine hochkarätige Findungskommission und Bayerns Kunstminister Bernd Sibler für das Münchner Haus der Kunst gefunden: Andrea Lissoni ist der neue künstlerische Leiter einer von Skandalen geschundenen traditionsreichen Institution, die also alle Fürsorge braucht. Bei seiner ersten bedeutenden Personalentscheidung für ein weltweit beachtetes Kunst-Haus hat der Minister die Bewährungsprobe bestanden. Er setzte offensiv auf Transparenz, suchte gute, offenbar uneitle Ratgeber, verließ sich auf sie, ohne dabei seine eigenen Wahrnehmungen und Einschätzungen aufzugeben. Das ist ein Riesenerfolg – obendrein auf extrem schwierigem Terrain.
Und es bleibt schwierig. Denn Sibler muss im Kabinett und Landtag um viel Geld kämpfen. Das Haus der Kunst kann dem Freistaat nur global Ehre machen, wenn Bayern mutig investiert: in die Sanierung, ins Ausstellungsprogramm und in deren Macher sowie in die Zukunftsstrategie für die Halle. Ministerpräsident Markus Söder hat dem Umweltschutz einen hohen Stellenwert eingeräumt – höchste Zeit, das bei der Kunst ebenfalls zu tun. Tipp: Da sind Meriten am leichtesten zu bekommen.
Simone.Dattenberger@ovb.net