Berlin – Gewerkschaften und Sozialverbände haben die Idee der Bundesbank, das Renteneintrittsalter auf fast 70 Jahre anzuheben, scharf kritisiert und warnen vor sozialen Problemen im Alter. Schon die Anhebung von 65 auf 67 Jahre sei „ein Fehler“ gewesen, sagte das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auf der anderen Seite begrüßten vor allem Wirtschaftsverbände den Vorstoß.
Die Bundesbank hatte angeregt, angesichts der alternden Gesellschaft das Rentenalter bis 2070 auf 69 Jahre und vier Monate anzuheben. Nach ihren Berechnungen würde der Geburtsjahrgang 2001 ab Mai 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten regulär in Rente gehen.
„Wer schwer arbeitet, hat ein höheres Sterblichkeitsrisiko als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente“, sagte dazu Buntenbach. Auch der Sozialverband VdK sprach von einer „schmerzhaften Rentenkürzung“ für Menschen in anstrengenden Berufen, die nicht bis zu einem solchen Alter arbeiten könnten.
Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, sagte: „Viele ältere Menschen in gesundheitlich belastenden Berufen halten nicht bis zum regulären Renteneintritt durch. Sie werden vor die Wahl gestellt: entweder Frührente mit lebenslangen Abschlägen oder Arbeitslosigkeit und Vorruhestandsarmut.“
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner bezeichnete den Vorschlag der Bundesbank gestern als „nicht sachgerecht“. Statt einer pauschalen Erhöhung der Lebensarbeitszeit wolle seine Partei eine „Individualisierung des Renteneintritts“ je nach den Wünschen der Arbeitnehmer. Nötig sei darüber hinaus ein Ausbau der privaten Altersvorsorge. „So wie die GroKo das jetzt macht, wird es absehbar nicht funktionieren. Anfang der 30er Jahre käme es dann zum Crash“, warnte Lindner.