WIE ICH ES SEHE

Bekenntnis zur deutschen Geschichte

von Redaktion

In unseren Schulen werden im sehr eingeschränkten Geschichtsunterricht nur Schlaglichter auf einzelne Ereignisse geworfen. Die Zusammenhänge im Gang der langen deutschen Geschichte und wie sich das eine aus dem anderen entwickelt hat, bleiben im Dunkeln.

Die Darstellung der zwölf Hitler-Jahre von 1933 bis 1945 steht im Mittelpunkt. Aber auch sie beschränkt sich meist auf die Judenverfolgung und die Auslösung des Weltkrieges. Das sind Ereignisse, die in diesem auf Lüge und Unrecht aufgebauten Staat kommen mussten. Der Rassenwahn und der Glaube an die Überlegenheit allen Deutschtums waren ja Staatsreligion.

Im Geschichtsunterricht sollte nach den tiefen Wurzeln gefragt werden, die es möglich gemacht haben, dass ein großes Kulturvolk hinter das Zeitalter von Vernunft und Humanität zurückfallen konnte. Es hängt mit vielem zusammen, auch mit romantischer Sehnsucht nach einer heilen Volksgemeinschaft, in der nicht „Zahlen und Figuren“ bestimmen, sondern man in „Märchen und Gedichten erkennt die wahren Weltgeschichten“, wie es bei Novalis heißt. Auch eine verbogene Natursicht gehört dazu, eine Art Suche nach der „blauen Blume“. Das ging bis zu der grotesken Aussage: „Der Führer schützt die Hecken“.

Wenige Widerstandskämpfer waren verehrungswürdige Märtyrer. Der normale Bürger aber hatte sich mit dem System einzurichten, so gut es ging. Wer eine Karriere in der Wirtschaft machen wollte, musste in die Partei eintreten. Oft war das nur ein Lippenbekenntnis, um sich Ruhe zu erkaufen. Denn privat ließ man den im Sinne des Regimes angepassten Bürger unbehelligt. Eine Totalüberwachung gab es nicht, denn gottlob standen dem Regime digitale Möglichkeiten, wie sie heute in Ländern wie China und anderswo im Einsatz sind, nicht zur Verfügung.

Schuld an den Verbrechen des Regimes haben viele Deutsche auf sich geladen, aber nicht die große Mehrheit des Volkes. Für sie aber, wie für uns Nachgeborene heute, bleibt es bei dem, was schon Theodor Heuss als erster Nachkriegs-Bundespräsident klassisch formuliert hat: Es gibt keine kollektive Schuld. Wohl aber gibt es die kollektive Scham, der wir Deutschen uns unverändert zu stellen haben.

Das bedeutet aber nicht, dass wir die ganze deutsche Geschichte unter dem Gesichtspunkt dieser schamvollen zwölf Jahre sehen müssen. In vielen Jahrhunderten haben Geistesgrößen, Reformatoren, Künstler, Erfinder und Gelehrte, aber auch große Staatsmänner unser Land geprägt.

So ist und bleibt der Beitrag Deutschlands zur Kultur der Welt außerordentlich und großartig.

Als besonders glücklich hat sich, nach der Emanzipation der deutschen Juden im 18. und 19. Jahrhundert, die Verbindung zwischen Deutschtum und aufgeklärtem deutschem Judentum erwiesen. Das ist ein Teil unserer Geschichte, der den deutschen Geist in die ganze Welt hinaus getragen hat. Stolz sein dürfen wir heute auf den Staat des Grundgesetzes, in dem wir nun schon 70 Jahre leben. Den vor allem gilt es auch künftig zu schützen vor der Verführung durch neue despotische Herrscher.

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VON DIRK IPPEN

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