Drei Jahre hat es gedauert, bis der Freistaat endlich das benennt, was offenbar nicht sein durfte: Das Morden des 18-jährigen David S. im Olympia-Einkaufszentrum war eine politische Tat. Die „rechtsradikale und rassistische Gesinnung“, die schon kurz nach der Tat offensichtlich war, dürfe nicht vernachlässigt werden, heißt es jetzt. Man habe „nicht reflexartig Schlüsse“ ziehen wollen, verteidigt sich die CSU, deren heutiger Chef noch in der Nacht des Bataclan „Paris ändert alles“ getwittert hatte.
Immerhin: Endlich herrscht Klarheit – vor allem für die Opfer-Familien. Tatsächlich hatten sich die Behörden zu lange an andere Motive geklammert. Solche Wahnsinnstaten lassen sich selten auf eine alleinige Ursache reduzieren. Auch islamistische Attentäter waren oft Kleinkriminelle und Drogenkonsumenten oder hatten psychische Probleme, ehe sie sich radikalisierten. Viele der rechtsextremen Attentäter galten als Versager. Inspiration und Gleichgesinnte fanden sie im Internet.
Und genau deshalb muss man die Dinge klar benennen. Die Tat von David S. weist viele Merkmale auf, wie man sie später in Christchurch, Charleston oder jetzt in Halle entdeckte. Wer die Augen vor Vorbildern und Tatmustern verschließt, verschenkt womöglich die Chance, Nachahmer aufzuspüren, bevor es zu spät ist.
Mike.Schier@ovb.net