WIE ICH ES SEHE

Leo Kirch – auch das Nachspiel ist beendet

von Redaktion

Von der Deutschen Bank war über die Jahre weniger Gutes zu hören. Der Aktienkurs sinkt immer tiefer in den Keller. Aber der Bundesgerichtshof hat die zu Unrecht von der Münchener Staatsanwaltschaft wegen einer verbotenen Prozessabsprache angeklagten Bank-Manager Ackermann, Breuer & Co. vorgestern endgültig freigesprochen.

Diese gute Nachricht ist Balsam auf die Wunden einer Dauerfehde. 2002 hatte sie ihren Ausgang genommen mit einer unbedachten Äußerung von Rolf Breuer zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe. In einem Zivilprozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank vor dem OLG München hatte ein bankenkritischer Senatsvorsitzender die Beweisaufnahme total überzogen. Dazu machte die Staatsanwaltschaft Druck. Breuer und Ackermann wurde eine verbotene Absprache bei der Beweiserhebung im Zivilprozess unterstellt. So sah sich die Bank unerhörter Weise schließlich veranlasst, den Kirch Erben 2014 in einem Vergleich fast eine Milliarde Schadensersatz zu zahlen.

Ein wahres Satyrspiel nach dem Tode von Kirch, den man als den größten Pleitier der letzten Jahrzehnte bezeichnen muss. „Der Rolf hat mich erschossen“ hatte der Filmhändler dazu noch vor seinem Tode behauptet. Einen Mann aber, der schon tot ist, den kann man nicht mehr erschießen. Die Bemerkung von Breuer bei einem Interview in New York war nicht in Ordnung, aber die Kirch-Pleite ist nicht dadurch verursacht worden. Sie ist der Tatsache geschuldet, dass Kirch gar kein Fernsehunternehmer war, sondern ein Spieler, ein Pokerer, dem es – koste es was es wolle – um Abspielstationen für sein maßlos überbewertetes Filmlager ging. Das hat ihn in die Überschuldung geführt. So war er 2002 am Ende, trotz seiner politischen Verbindungen in der CSU und bis zum damaligen Bundeskanzler Kohl. Auch ohne Breuer und die Deutsche Bank musste das ganze Kartenhaus Kirch zusammenbrechen, dem keine Bank mehr Kredit geben mochte außer der Bayerischen Landesbank. Die musste es tun, gegen den Protest ihres amtierenden Vorstandes, weil an den Türen der damaligen bayerischen Politik sozusagen bildlich statt des gewohnten „Tritt ein mit Gott“ stand: „Tritt ein mit Kirch“.

Nun wäre es ungerecht, dem Leo Kirch abzusprechen, dass er auf seine Art nicht auch ein kreativer Unternehmer gewesen wäre. Seine Start-Idee, die Rechte an dem Film „La Strada“ zu erwerben und durch kluge Einkäufe in Hollywood einen Filmstock aufzubauen, war sehr geschickt. Kirch brachte schließlich die großen Fernsehanstalten mit ihrem Hunger nach abspielbarer Ware geradezu in Abhängigkeit von sich.

Das ganze Kirch-Drama mit Nachspiel ist nun Geschichte. Mit Ruhm hat sich niemand dabei bekleckert. Nicht die Münchner Justiz, nicht die bayrische Politik, die diesen Mann ohne jeden Anflug von Kritik protegiert hat, und auch nicht die Deutsche Bank. Denn es war nicht richtig, den Kirch-Erben mal eben einen Betrag von fast einer Milliarde vergleichsweise auszuhändigen.

Den Zivilprozess darüber hätte die Deutsche Bank in der Revision ebenso gewonnen wie der Bundesgerichtshof jetzt die Bankchefs Breuer, Ackermann & Co. freigesprochen hat.

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VON DIRK IPPEN

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