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von Redaktion

Erfurt – Knapp eine Woche nach der Wahl in Thüringen steht der Wiedereinzug der FDP in den Landtag noch immer auf wackeligen Füßen. Nach dem vorläufigen Ergebnis übersprang sie landesweit die 5-Prozent-Hürde nur um fünf Stimmen, bei Nachzählungen nun gab es in mehreren Wahlkreisen teils Korrekturen im zweistelligen Bereich. Die Zitterpartie wird noch mindestens bis Donnerstag dauern – dann will der Landeswahlleiter das Endergebnis bekannt geben.

CDU-Landeschef Mike Mohring brachte ein Minderheitsbündnis mit SPD, Grünen und FDP ins Gespräch. Dieses hätte allerdings noch weniger Sitze im Landtag als Rot-Rot-Grün. „Es geht offensichtlich in Thüringen jetzt nur noch mit einer Minderheitsregierung weiter“, sagte Mohring im ZDF. Dabei gebe es aber nicht nur die Variante Rot-Rot-Grün. Zieht die FDP in den Landtag ein, dann hätte ein schwarz-rot-grün-gelbes Bündnis 39 Sitze; eines von Linken, SPD und Grünen käme auf 42.

Der thüringische FDP-Vorsitzende Thomas Kemmerich zeigte sich offen für Mohrings Vorschlag. „Ich halte das für eine mögliche Lösung“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er werde mit Mohring und dann auch mit SPD und Grünen darüber sprechen. SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee reagierte reserviert auf Mohrings Avancen. Das Wahlergebnis der Linken habe deutlich gemacht, „dass die Mehrheit der Bevölkerung im Vergleich Bodo Ramelow zu Mike Mohring den Amtsinhaber als zukünftigen Regierungschef will“.

Unterdessen ist die Landtagswahl ein Fall für die Erfurter Staatsanwaltschaft. Ihr liegt eine Anzeige gegen ein Mitglied des Thüringer FDP-Vorstandes wegen des Verdachts der Wahlfälschung vor. Der Politiker soll nach übereinstimmenden Medienberichten versucht haben, das Ergebnis der Wahl zu beeinflussen. Demnach habe er kurz vor der Wahl eine E-Mail an Wahlhelfer verschickt, in der er angeregt haben soll, bestimmte strittige Stimmen im Zweifelsfall als Stimme für die FDP zu werten.  dpa

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