München – Ein paar Minuten vor Beginn des großen Wahl-Parteitags der CSU wurde Markus Blume noch launig gefragt, wie es denn so um seine eigene politische Zukunft stehe. Der Generalsekretär scherzte, bei einem Parteitag könne so viel schief gehen, dass man sich in seinem Amt nie sicher sein sollte. In den folgenden 24 Stunden in der Münchner Olympiahalle wurde aus dem Spaß Ernst: Vieles ging schief, und am Ende war Blumes Verbleib im Amt plötzlich echt ungewiss.
Der 44-jährige Landtagsabgeordnete aus München ist für viele Mängel des Treffens im Oktober mitverantwortlich – aber für nichts allein. Den Leitantrag zur Frauenquote, der bei den Delegierten krachend scheiterte, hatte Blume zwar monatelang vorverhandelt, den finalen Kompromiss zimmerte aber an seiner Seite Parteichef Markus Söder. Die wochenlangen Warnsignale aus den Kreisverbänden und sogar der Landtagsfraktion überhörten beide. Für die organisatorischen Fehler, etwa den matten Delegiertenabend und die verwinkelten Wege, muss Blume geradestehen, die Halle wurde aber schon Monate vorab gebucht, auch aus Spar-Gründen. Die teils ungelenke Regie bestritt er ebenfalls nicht allein, und die Wahlmodi der Stellvertreter mit der Watschn für Dorothee Bär erfand er auch nicht.
Heute im Parteivorstand wird es deshalb kein schnelles Bauernopfer geben. Söder will im Moment Ruhe in der Partei und alle Personaldebatten (auch um seine Kanzlerkandidatur) dämmen. Er hat mehrfach angekündigt, Blume und Vize-Generalsekretär Florian Hahn wiederzuberufen. Als wahrscheinlich gilt in der CSU eine Lösung auf Zeit. In gut zwei Monaten läuft schon wieder das Personalkarussell an in München. Im Januar oder Februar bereits, also ein Vierteljahr früher als bisher angekündigt, wird Bauminister Hans Reichhart seinen Rückzug aus dem Kabinett erklären, heißt es bei Söders Leuten. Er will in seiner Landratskandidatur in Günzburg Interessenkonflikte vermeiden.
Söder kann also mindestens einen Posten neu vergeben. Weil sich kaum ministrable Schwaben aufdrängen, gilt als möglich, dass er auf den sonst so heiligen Regionalproporz pfeift und Blume direkt ins Kabinett holt (neuer General dann Hahn). Oder Fraktionschef Thomas Kreuzer ins Kabinett lotst, dann zum Beispiel mit einer Rochade ins Justizressort.
Als Minister oder als Fraktionschef müsste Blume weniger grob formulieren; er klingt dabei oft holzschnittartig und fremd. Ihm hängt auch ein Klischee nach: Der „Spiegel“ porträtierte Blume 2018 als ehemaligen Juniorenmeister im Eistanz. Das klang schön, schnörkelig und etwas verkünstelt. Man brauche als General weniger Eistanz und mehr Eishockey, raunt ein hoher Parteifreund. Tatsächlich ist die CSU-Geschichte der Generalsekretäre eher von Haudrauf-Auftritten geprägt: Stoiber, Söder, Dobrindt, Scheuer waren hemmungsarm. Andererseits wachsen die intellektuellen und strategischen Anforderungen. Blume soll (und kann) auch die großen Leitlinien zum Umgang mit AfD und Grünen formulieren.
Nun bleibt es also beim Trio aus Blume, Hahn und der neuen CSU-Hauptgeschäftsführerin Carolin Schumacher. Alle drei stehen strikt loyal zu Söder. Auch die beurlaubte Beamtin Schumacher ist bis auf weiteres in der CSU-Zentrale gesetzt. Der Parteichef sagt über seine Leute milde, man lerne eben im Amt dazu. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER