Ankara – Die Türkei will am Montag mit der Rückführung ausländischer Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in ihre Heimatländer beginnen. Das kündigte Innenminister Süleyman Soylu laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag an. Der Minister machte zunächst keine Angaben dazu, wohin die IS-Mitglieder zurückgeführt werden sollen oder auf welche Weise.
Der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, hatte der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ Anfang der Woche gesagt, die Türkei wolle auch 20 deutsche IS-Unterstützer abschieben. Nach Angaben Erdogans sitzen derzeit 1149 Anhänger in türkischen Gefängnissen. Davon seien 737 ausländische Staatsbürger. Mehrere europäische Staaten haben es bisher abgelehnt, IS-Mitglieder zurückzuholen, die die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gefangen genommen hatten.
Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet. Während der türkischen Militäroffensive wurden nach Angaben von Soylu 287 IS-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder.
In Nordsyrien haben sich die Türkei und Russland als Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad inzwischen darauf geeinigt, den zuvor zwischen Kurden und Türken umkämpften Grenzstreifen gemeinsam zu kontrollieren. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte haben sich nach russischen Angaben zurückgezogen.
Soylu hatte europäischen Verbündeten der Türkei wie Großbritannien oder den Niederlanden in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, indem sie IS-Kämpfern die Staatsangehörigkeit entzögen und sich weigerten, diese zurückzunehmen. „Wir sind kein Hotel für jedermanns Daesh-Mitglieder“ hatte der türkische Innenminister gesagt. Mit „Daesh“ benutzte er eine arabische Bezeichnung für den IS.