Madrid – Spanien steht nach der zweiten Neuwahl des Jahres vor einem Scherbenhaufen. Die Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sánchez gehen zwar – wie schon im April – als Sieger aus der Abstimmung hervor, eine Regierungsbildung ist aber nun in fast unerreichbare Ferne gerückt. Zudem steht der „schöne Pedro“ als Buhmann da: Beobachter prangern ihn für das politische Chaos an, in das die viertgrößte Euro-Volkswirtschaft unaufhaltsam zu schlittern droht – und in das sich nun mit Macht die Rechtspopulisten mischen.
Das Fiasko sei eine Folge von Sánchez’ „Unverantwortlichkeit“ und seiner „Unfähigkeit, eine Regierung zu formen“, kritisierte das Blatt „El Mundo“ – und spielte damit auf Frühling und Sommer an, in denen sich der 47-Jährige nach seinem Wahlerfolg vom April konsequent geweigert hatte, mit dem linken Bündnis Unidas Podemos (UP) eine Koalition zu bilden. So musste König Felipe VI. die Neuwahl ausrufen. Es war die vierte in vier Jahren.
Nun sind die Stimmen mehr zersplittert denn je. Nicht nur, dass sich die Sozialisten (PSOE) mit 120 statt 123 Sitzen noch weiter von einer absoluten Mehrheit entfernt haben – auch UP erlitt eine Schlappe und hat statt 42 noch 35 Abgeordnete. Die liberalen Ciudadanos verloren 47 (!) Mandate. Ihr Chef Albert Rivera nahm seinen Hut. Die einzige einfache Möglichkeit für eine Regierungsbildung mit absoluter Mehrheit von mindestens 176 Stimmen wäre eine Große Koalition mit der konservativen PP, die als Zweitplatzierte abschnitt.