Späte Ehre für Ronald Reagan

von Redaktion

Nach deutschem Zögern ehrt nun eine Bronze-Statue auf der US-Botschaft seine Rolle bei der Wiedervereinigung

Washington/Berlin – US-Präsident Ronald Reagan schrieb Geschichte, als er am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor – geschützt durch schusssicheres Glas – diesen dramatischen Appell an den sowjetischen Präsidenten richtete: „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“ Die Reagan-Rede gilt heute unter Historikern als eine der wichtigen Wegmarken zur deutschen Wiedervereinigung.

Doch die Bundesregierung wie auch die Berliner Behörden taten sich bisher schwer, die Rolle Reagans beim Fall der Mauer entsprechend zu würdigen. Am vergangenen Freitag nahm ihnen nun die amerikanische Botschaft in Berlin diese Aufgabe ab. In einer Zeremonie für geladene Gäste und diplomatisches Personal enthüllte US-Außenminister Mike Pompeo auf dem Dach der Repräsentanz eine rund 400 Kilo schwere Reagan-Bronzestatue des US-Künstlers Chas Fagan. Reagan habe „couragiert die größte Bedrohung der Freiheit, das sowjetische Reich, das Reich des Bösen, verurteilt“, formulierte Pompeo.

Reagan sei nach Berlin „in Bronze zurückgekehrt“, beschrieb jetzt die „New York Times“ die späte Ehrung – und skizzierte gleichzeitig die Versuche deutscher Politiker und Bürokraten, die Rolle des 2004 an den Folgen von Alzheimer-Komplikationen verstorbenen US-Präsidenten zu minimieren. Nicht gut weg kommt in dem Beitrag Außenminister Heiko Maas (SPD), der zum 30. Jahrestag des Mauerfalls zwar europäischen Nationen, aber mit keinem Wort den USA gedankt hatte. Das provokante Verhalten von Maas steht dabei auch für eine Partei, deren früherer Außenminister Egon Bahr unter Willy Brandt als Kanzler zeitweise bereit war, die Teilung Deutschlands dauerhaft zu akzeptieren – im Gegensatz zur USA und den Christdemokraten.

Dabei war es nicht nur Reagan, sondern zuvor auch John F. Kennedy („Ich bin ein Berliner!“) gewesen, der energisch Stellung gegen die Mauer und das stalinistische SED-Unrechtsregime bezogen hatte. Maas war für sein Ignorieren der amerikanischen Verdienste auf Twitter vom früheren Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa, General Ben Hodges, kritisiert worden.

Die Aversion mancher deutscher Politiker in Bezug auf eine Ehrung Reagans scheint Tradition zu haben. Zum einen fehlt der Name „Deutschland“ auf der Liste der Nationen an einer Wand der Ronald-Reagan-Gedenkbibliothek in Simi Valley nahe Los Angeles, wo Spender für das Bauwerk genannt werden. Zum anderen verwies John Heubusch, der die Ronald Reagan-Stiftung in den USA leitet, jetzt auf die mehr als zehnjährigen Bemühungen, eine Statue des Ex-Präsidenten in der deutschen Hauptstadt zu errichten. Berliner Offizielle hätten jedoch argumentiert, dass Reagan 1992 bereits Ehrenbürger gewesen und dies genug der Ehre sei. 2012 gab es dann lediglich eine Plakette im Bürgersteig nahe der Stelle, wo Reagan die Rede gehalten hatte.

US-Botschafter Richard Grenell kontaktierte jedoch vor einiger Zeit die Reagan-Stiftung – und schlug die jetzt realisierte Statue auf der Dachterrasse vor. Der im Bundesstaat North Carolina lebende Chas Fagan, berühmt auch durch seine Ölbilder von allen 45 US-Präsidenten, integrierte sogar ein kleines Stück der Original-Mauer in seine Reagan-Skulptur. FRIEDEMANN DIEDERICHS

Artikel 3 von 11