Brügge – EU-Ratspräsident Donald Tusk sagt Großbritannien einen drastischen Abstieg nach dem Brexit voraus. „Nach diesem Abschied wird das Vereinigte Königreich ein Außenseiter, ein zweitklassiger Spieler, während das wichtigste Schlachtfeld von China, den USA und der EU besetzt sein wird“, sagte er in einer Bilanz seiner fünfjährigen Amtszeit.
Mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Großbritannien am 12. Dezember appellierte er an die Briten: „Gebt nicht auf. In diesem Match hatten wir bereits Nachspielzeit, jetzt sind wir in der Verlängerung, vielleicht geht es sogar ins Elfmeterschießen.“ Tusk erinnerte daran, dass er alles getan habe, die Frist für den Brexit zu verlängern, um Zeit zum Nachdenken und eine mögliche Kehrtwende Großbritanniens zu geben.
Tusk kam 2014 ins Amt und gibt dieses am 1. Dezember an den ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Charles Michel ab. Der Präsident des Europäischen Rats hat die Aufgabe, zwischen den EU-Staaten zu vermitteln und die regelmäßigen Gipfeltreffen zu leiten.
Auch gegen den französischen Präsidenten Emmanuel Macron setzte Tusk zum Abschied eine Breitseite und übte Kritik an der französischen Blockade von Beitrittsgesprächen mit Albanien und Nordmazedonien. Zudem warf er Macron vor, Russland gefährlich zu unterschätzen. Der Franzose fordert eine Neubewertung der Beziehungen zum Kreml. Tusk sagte mit Verweis auf die Invasion auf der Krim. „Unsere harte und nachdrückliche Haltung zu Russland war der erste Ausdruck unserer Souveränität, klar und unmissverständlich.“ Dabei müsse es bleiben.