Berlin/Istanbul – Nach der Abschiebung einer deutsch-irakischen Islamisten-Familie aus der Türkei nach Berlin ist ein Familienmitglied festgenommen worden. „Der Vater wurde aufgrund eines bestehenden Haftbefehls der Justiz übergeben“, teilte der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Inneres, Martin Pallgen, mit. Der Mann sitze derzeit noch in einer Berliner Haftanstalt und werde „zeitnah“ nach Niedersachsen gebracht. Weshalb ein Haftbefehl gegen ihn vorlag, wurde nicht mitgeteilt. Dem Vernehmen nach ging es dabei aber nicht um Vorwürfe aus dem Bereich Islamismus.
Nach dpa-Informationen hatte der älteste Sohn der Familie in Hildesheim früher Kontakt zu dem inzwischen verbotenen „Deutschen Islamkreis“ um den Hassprediger Abu Walaa. Der ebenfalls aus dem Irak stammende Prediger steht zusammen mit vier weiteren mutmaßlichen Islamisten in Celle vor Gericht. Sie sollen Jugendliche als Kämpfer für den IS rekrutiert haben. Die am Donnerstag abgeschobene Familie besteht aus den Eltern, zwei Söhnen, zwei Töchtern und einem Enkelkind.
Die Türkei hatte am Montag öffentlich die Abschiebung mehrerer deutscher mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dieser Woche angekündigt. Für Freitagnacht wurde den deutschen Behörden die Ankunft von zwei Frauen angekündigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte, die deutschen Behörden würden gewährleisten, dass von Islamisten und mutmaßlichen IS-Anhängern, die die Türkei abschiebt, keine Gefahr ausgeht. Diese Menschen würden im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern einer Sicherheitsbewertung unterzogen, sagte Merkel.