Bundeswehr-Gelöbnis im Hofgarten

von Redaktion

Vergangene Woche Berlin, gestern Abend München: Mit öffentlichen Gelöbnissen will die Politik zeigen, dass sie hinter den Soldaten der Bundeswehr steht. Dagegen regt sich allerdings auch Protest.

München – Erstmals nach mehr als zehn Jahren haben in München wieder Bundeswehrsoldaten ein öffentliches Gelöbnis abgelegt. Bei der Zeremonie im Hofgarten der Residenz schworen mehr als 200 Rekruten feierlich, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Im Anschluss hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Soldaten noch zu einem Empfang in die Residenz mit abschließender Serenade geladen. Das Gelöbnis sei „ein Zeichen des Respekts gegenüber den Männern und Frauen, die für uns ihr Leben riskieren“, sagt Söder bereits im Vorfeld der Veranstaltung. „Sie leisten Großartiges, nicht nur wenn es wie bei uns in Bayern im vergangenen Winter um den Schnee geht.“

Eine Stunde bevor die Soldatinnen und Soldaten am Montagabend im Münchner Hofgarten zusammenkamen, versammelten sich rund 150 Menschen am Odeonsplatz, um dagegen zu demonstrieren. Thomas Lechner, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, führte die Demonstranten durch den Protest. Zwischen Liedern von Marlene Dietrich, Konstantin Wecker und Bettina Wegner sprachen unter anderem der Friedensaktivist Claus Schreer, der Münchner Künstler Wolfram Kastner und der ehemalige Oberstleutnant Jürgen Rose (SPD). Auch der Musiker Konstantin Wecker rief die Münchner zum Protest auf – er selbst erschien jedoch aus zeitlichen Gründen nicht persönlich.

„64 Jahre Bundeswehr. Das ist kein Grund zu feiern“, sagte Schreer, der regelmäßig gegen die Münchner Sicherheitskonferenz au die Straße geht. „Das heute stattfindende Militärspektakel im Hofgarten verdient keinen Beifall, sondern lautstarken Protest.“ Die Bundeswehr stehe schon lange nicht mehr auf dem Boden der Verfassung, behauptete der 81-Jährige. Mit Landesverteidigung hätten die „weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr“ nicht das Geringste zutun.

Die CSU kann mit dem Protest überhaupt nichts anfangen. Markus Blume kritisierte die Wortwahl, wie sie beispielsweise der Liedermacher Konstantin Wecker im Vorfeld benutzt hatte. „Die Diskreditierung unserer Soldatinnen und Soldaten, die für unsere Werte den Kopf hinhalten, ist unerträglich“, sagte der CSU-General unserer Zeitung. „Wer ein offizielles Gelöbnis mit neuem Militarismus in Verbindung bringt, dem scheint es die Sinne vernebelt zu haben.“

Bereits vergangene Woche hatten Rekruten vor dem Reichstag ein öffentliches Gelöbnis abgelegt. Dies gehört zur Strategie der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die bereits in der Regierungserklärung zu ihrer Vereidigung mehr öffentliche Gelöbnisse der Bundeswehr gefordert hatte. Ziel: die Truppe wieder sichtbarer machen. Sie war damit auf die Zustimmung mehrerer Ministerpräsidenten und auch des Koalitionspartners SPD gestoßen.  nbe/mik/dpa

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