Ibiza-Video: Justiz sucht die Fallensteller

von Redaktion

Das politische Erdbeben hat die Regierung in Wien hinweggefegt. Jetzt folgt die juristische Aufarbeitung des Ibiza-Videos. Die Justiz sucht die Fallensteller und hat mehrere Verdächtige festgenommen.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

München/Salzburg – Ein bisschen Licht in den düsteren Ecken der Ibiza-Affäre: Die Justiz in Österreich hat am Dienstag mit mehreren Hausdurchsuchungen versucht, die Macher der Videofalle zu enttarnen, die zum Sturz der Regierung geführt hatte. Mehrere Verdächtige wurden in Salzburg festgenommen. Die Hintermänner, also die Auftraggeber des Videos, sind wohl noch nicht darunter.

Österreichs späterer Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war 2017 auf Ibiza heimlich gefilmt worden, als er in einer Villa betrunken und prahlend auf eine vermeintliche Oligarchen-Nichte traf. Im Verlauf des siebenstündigen Gesprächs stellte er unter anderem Staatsaufträge im Gegenzug für Wahlkampfspenden in Aussicht und spekulierte über den Kauf einer großen Zeitung, um sich Journalisten gefügig zu machen. Strache stürzte über den beispiellosen Skandal, die ÖVP/FPÖ-Regierung mit ihm. Wer das aufwändig produzierte Video mit etlichen versteckten Kameras und Lockvögeln in der gemieteten Villa beauftragt hat, ist nicht nur in Österreich viel diskutiert.

Die Justiz glaubt, nach etlichen Zeugenbefragungen und der Überwachung von Telefonen die ausführenden Täter gefasst zu haben. Die „Salzburger Nachrichten“ berichten über mehrere Festnahmen, unter anderem in der Stadt, und zitieren aus dem geheimen Haftbefehl. Schlüsselrollen kommen demnach einem Wiener Anwalt zu (der das gar nicht bestreitet) sowie einem Privatdetektiv, der längere Zeit in München ein Büro unterhielt und jetzt wohl untergetaucht ist. Festgenommen wurden nach dem Bericht der Zeitung ein 39-jähriger Österreicher mit bosnischen Wurzeln und ein 52-jähriger Serbe. Sie sollen die vermeintliche Nichte „rekrutiert und eingeschult“ haben.

Beide Festgenommenen sind der Justiz wegen Vorstrafen bereits bekannt. Jetzt kommen laut Haftbefehl Vorwürfe wegen Täuschung, Nötigung, gefährlicher Drohung, Gründung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, schwerer Erpressung, Diebstahls, Urkundenfälschung, unbefugten Waffenbesitzes und Vorbereitung von Drogenhandel hinzu.

Der Anwalt hatte bisher von einem „zivilgesellschaftlichen Projekt“ getönt. Ein Motiv war (oder wurde) aber das schnöde Geld. Laut Staatsanwaltschaft wollten Tatbeteiligte „mindestens 400 000 Euro“ von Strache erpressen. Offenbar zahlte der Ex-Politiker nicht. Zuvor hatten österreichische Medien andersherum berichtet, Strache habe vergeblich versucht, das Rohmaterial zu kaufen.

Von dem Video sind bisher nur kurze Ausschnitte bekannt. Auf ihnen sind Straches wohl derbste Einlassungen enthalten; Drogenkonsum ist dort direkt nicht zu beobachten. Strache hatte später verniedlichend von einer „bsoffenen Gschicht“ gesprochen, die er bereue.

Nach den jüngsten Festnahmen sieht sich Strache sogar als Opfer eines Putsches. „Es war ein von langer Hand geplantes politisches Attentat auf mehreren Ebenen, mit unzähligen Tätern, Mittätern und Beitragstätern“, schreibt er in einer Stellungnahme auf Facebook. Er verweist auf einen Bericht des Portals „oe24.at“, wonach mehrere Tatverdächtige als Spitzel „vermutlich für den Verfassungsschutz“ in Österreich aktiv gewesen seien. Die Firma des Detektivs habe zudem „frühere Nachrichtendienstler sowie Ex-Offiziere serbischer Spezialeinheiten aus dem Balkankrieg beschäftigt“.

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