Berlin – Aus den Reihen der potenziellen Rivalen kam gestern nur Unterstützung. Man wolle, dass der Parteitag auch für die Vorsitzende „ein Erfolg“ wird, säuselte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Und Friedrich Merz schlug brav in eine ähnliche Kerbe. Trotzdem kann sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer alles andere als sicher sein, dass sie die Veranstaltung ohne weitere Blessuren überstehen wird. Sie muss kämpfen in Leipzig.
Dem Vernehmen nach hat AKK besonders intensiv an ihrer Rede gewerkelt. Es muss eine werden, die selbstkritisch ist, die aber auch die 1001 Delegierten mitreißt und Argumente liefert, warum sie die richtige Kapitänin für das dümpelnde CDU-Schiff ist – und damit vielleicht die richtige Kanzlerkandidatin. Nur ein Jahr nach ihrer Wahl in Hamburg steht die Saarländerin mächtig unter Druck. Durch Pannen und Ungeschicklichkeiten hat sie viel Vertrauen in ihre Führungsfähigkeiten verspielt. Auf dem Parteitag muss AKK das Ruder herumreißen.
Nach ihr wird heute Hauptgegner Friedrich Merz sprechen. Wann genau, ist offen; ebenso wie lange. Eigentlich hat er wie alle anderen in der Aussprache zur Rede der Vorsitzenden nur fünf Minuten. Aber dem bei der Wahl zum Parteichef unterlegenen Merz werde man vom Tagungspräsidium nicht das Mikrofon abdrehen, verlautete es aus der engeren Führung. Und: „Es gibt für alle die gleiche Lautstärke und das gleiche Licht.“ Vor einem Jahr in Hamburg hatte das Merz-Lager die knappe Niederlage gegen AKK auch damit begründet, dass das Mikro zu leise und die Schweinwerfer zu heiß gewesen seien.
Merz ist ein rhetorisches Talent, ob er gedenkt, dies auch auszuspielen, ist offen. Seine harsche Kritik nach der Thüringenwahl an der Kanzlerin („grottenschlecht“) und indirekt auch an Kramp-Karrenbauer fanden viele in der CDU überzogen. Er wolle auf dem Konvent keine Personaldiskussion anfachen, beschwichtigte er nun, sondern nur „einige wenige Anmerkungen“ machen. Eine Kampfansage konnte Merz sich freilich nicht verkneifen – er plädiere dafür, auch die Basis an der Entscheidung über eine Kanzlerkandidatur zu beteiligen. Das sehen auch sechs Anträge von über 400 vor. Doch das will Kramp-Karrenbauer nicht. „Wenn wir einigermaßen bei Vernunft sind, werden wir auf dem Parteitag nicht über solche Fragen diskutieren“, so ein Vertrauter der Vorsitzenden.
Sie habe mit Merz telefoniert, teilte AKK gestern mit. Auch freue sie sich auf seinen Beitrag, „denn diese Partei kann jeden klugen Klopf, jede konstruktive Stimme gebrauchen“. Alles in allem rechne sie mit einem „spannenden Arbeitsparteitag“, der inhaltliche Weichen stelle. Bei der gestrigen Hallenbesichtigung gab sie sich demonstrativ gelassen.
Übrigens: Angela Merkel wird diesmal nur ein „Grußwort“ in ihrer Eigenschaft als Regierungschefin halten – vielleicht sagt Merz ja auch dazu etwas.