Mannheim/Nürnberg – Zu viele Zugewanderte scheitern nach Ansicht von Experten in Integrationskursen. „Nur ein Bruchteil der Absolventen schließt die Kurse ab“, sagt der Chef des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache (IDS), Henning Lobin. Das liege vor allem daran, dass die Kurse zu anspruchsvoll seien: „Die Zielgenauigkeit lässt zu wünschen übrig.“
Die Kurse sollen die Teilnehmer dazu befähigen, in der Arbeitswelt zurechtzukommen. Dafür ist auf einer sechsstufigen Skala von A1 (einfache Kenntnisse) bis C2 (Voraussetzung für ein Studium) das Zielniveau B1 festgesetzt. Die Latte hängt aus Lobins Sicht allerdings unrealistisch hoch.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sieht aber keinen Anlass, das Lernziel im allgemeinen Integrationskurs abzusenken. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mahnt stärker berufsbezogene sprachliche Förderung von Zuwanderern an: Die Sprachkenntnisse Geflüchteter nach einem Integrationskurs reichten oft nicht aus, um in die Ausbildung einzusteigen.
Im vergangenen Jahr zählte das Bamf rund 203 000 neue Teilnehmer an Integrationskursen. Deutschland gehört nach Angaben des Chefs des Mannheimer Goethe-Instituts, Ingo Schöningh, neben Dänemark und Großbritannien zu den wenigen Ländern Europas, die von Kursteilnehmern das B1-Niveau erwarten. Üblicher sei A2. Den heutigen Anforderungen liege noch die deutlich einfachere Integration von Spätaussiedlern zugrunde, moniert Schöningh. „Deshalb muss ein neues, realistischeres Konzept her, das Absolventen und Lehrern die Frusterfahrung des Scheiterns erspart.“