München – Viele hatten bereits befürchtet, dass es Ärger geben könnte. Und genau so kam es dann auch. Beim kleinen Parteitag der Bayern-SPD in Taufkirchen gerieten am Samstag die Bundestagsabgeordneten Florian Post und Florian Pronold aneinander. Und auch nach dem Parteitag ging der Streit noch weiter.
Zunächst hielt am Samstag Florian Post eine kurze Rede. Darin zitierte er aus einem Zeitungskommentar, der sich kritisch mit dem Rückzug von Landeschefin Natascha Kohnen aus der Bundesspitze auseinandersetzt. Post verwahrte sich zudem dagegen, dass die Landesvorsitzende ihm und anderen Berliner Abgeordneten die sozialdemokratischen Werte absprechen dürfe. Denn Kohnen hatte ihren Rückzug auch mit Gesetzen der Bundesregierung begründet, die die SPD mitgetragen hat.
Posts Rede nahm dann wiederum Florian Pronold zum Anlass, seinen Parteifreund scharf anzugreifen. Es sei „unsäglich“, die eigene Partei über die Presse zu attackieren, sagte der scheidende Staatssekretär im Bundesumweltministerium und ehemalige Bayern-Chef der SPD in Posts Richtung. Mit seinem Verhalten trage Post eine Mitschuld am derzeitigen Zustand der bayerischen SPD. Eine Einschätzung, die Pronold gestern gegenüber unserer Zeitung wiederholte. „Dazu stehe ich, und der Applaus, den ich bekommen habe, gibt mir Recht“, sagte Pronold. Zwar wolle er Posts Einfluss nicht überbewerten. Es sei aber bekannt, dass der immer wieder „die eigene Führung anschießt“. Auf Bundes- wie auf Landesebene.
„Der hat’s nötig“, sagte hingegen Post gestern unserer Zeitung. „Ich lasse mir von einem Pronold, der bei der letzten Bundestagswahl nicht halb so viele Stimmen bekommen hat wie ich und einen komplett desolaten Landesverband hinterließ, keine Ratschläge erteilen.“ Auch, dass Pronold noch Staatssekretär und im Bundestag bleibe, obwohl klar ist, dass er sein Mandat in absehbarer Zeit niederlegen will, um Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie zu werden, kritisierte Post. „Wenn Pronold glaubwürdig wäre, würde er sein Mandat jetzt schon ablegen und nicht halbscharig im Austragshäusl sitzen. Das ist parteischädigend, weil er nämlich alle Vorurteile gegen uns als Politiker allgemein bestätigt.“
Der Vorwurf, er selbst schade der Partei, sei hingegen falsch, betonte Post. Wenn er – wie in der Vergangenheit – kritisiere, dass die damalige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles mit ihren Auftritten der Partei geschadet habe, „und auch ein Florian Pronold in Bayern nicht ankam, dann kritisiere ich Personen und nicht die Partei“, sagte Post. Er sei froh, dass er „offensichtlich bei den Wählern beliebter“ sei „als bei den Funktionären der Bayern-SPD“. SEBASTIAN HORSCH