Berlin – Für Angela Merkel dürfte es eine besondere Reise sein. Die Kanzlerin hat das Ziel in vielen Reden erwähnt, war aber noch nie persönlich dort: Auschwitz. Wie kein anderer Ort steht das ehemalige deutsche Vernichtungslager für den Holocaust, den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden. Von 1940 bis 1945 wurden dort zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen umgebracht, die meisten von ihnen Juden.
Heute wird Merkel das ehemalige Stammlager Auschwitz und das frühere Vernichtungslager Birkenau besuchen. Nach einer Gedenkminute will sie einen Kranz niederlegen und eine Rede halten in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. Die Kanzlerin folgt einer Einladung der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Sie geht auf den 2015 verstorbenen früheren polnischen Außenminister Wladyslaw Bartoszewski zurück, der selbst Häftling in Auschwitz war.
Merkel verbindet eine besondere Beziehung zu Israel und zum Judentum – persönlich wie im staatspolitischen Verständnis. „Wir haben erst spät gelernt – und ich sage das für mich auch persönlich –, wie unermesslich viel Deutschland durch die Schoah verloren hat und wie viel Liebe deutscher Juden zu diesem Land unerwidert geblieben ist“, sagte sie einmal. 1991 besuchte sie erstmals Israel und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Es folgten weitere vier Besuche.
Als Kanzlerin reiste sie immer wieder an solche Orte: 2009 begleitete sie Barack Obama nach Buchenwald, an dessen Befreiung ein Großonkel des US-Präsidenten beteiligt war, und 2015 das KZ Dachau zum 70. Jahrestag der Befreiung. Auschwitz haben bisher nur zwei deutsche Regierungschefs besucht: Helmut Schmidt 1977 und Helmut Kohl 1989 und 1995.