Boris Johnson (55) regiert seit Anfang September ohne Mehrheit im Parlament. Zum Markenzeichen seiner kurzen Amtszeit als Premierminister wurde ein rücksichtsloses Vorgehen gegen innerparteiliche Gegner. Als eine Gruppe von zum Teil altgedienten Tories gegen die Regierung stimmte, warf er sie kurzerhand aus der Fraktion. Viele sehen darin die Handschrift des Wahlkampfstrategen Dominic Cummings, der gemeinsam mit Johnson hinter der Vote-Leave-Kampagne (für einen EU-Austritt) im Brexit-Wahlkampf 2016 stand und ihn auch nun wieder berät. Johnson war vor dem Referendum das prominenteste Gesicht der Brexit-Befürworter. Johnson dominiert seit Jahren die Schlagzeilen auf der Insel – schon als Bürgermeister von London (2008 bis 2016) generierte er viel Aufmerksamkeit. Davor hatte er als Journalist gearbeitet und als Brüssel-Korrespondent des „Daily Telegraph“ jenes kritische (Zerr-)Bild der Europäischen Union mitkreiert, das später zum Austritt der Briten führte. Da sein Vater Abgeordneter im EU-Parlament war, verbrachte Johnson übrigens auch einen Teil seiner Kindheit in Brüssel. Sein Bruder Jo Johnson trat wegen Boris’ Brexit-Politik als Politiker zurück.