Unbeirrbar im Affärensumpf

von Redaktion

Österreichs Ex-Vizekanzler Strache arbeitet an seinem Comeback – trotz neuer bizarrer Vorwürfe

Wien/München – Am Wochenende erblickt Österreich einen traurigen, aber sehr gefassten Ex-Vizekanzler. „Ich bin naiv gewesen, habe falsche Menschenkenntnis gehabt“, sagt Heinz-Christian Strache in einem langen Interview des ORF. Er habe aber „nie etwas Unredliches in Auftrag gegeben“, auch nie eine Rechnung gefälscht. Stattdessen sei er Opfer einer kriminellen Struktur geworden, die ihn „politisch vernichten“ wolle, unter anderem mit dem Ibiza-Video.

So sieht das also Strache. Sein Auftritt fällt in ein selbst für Wiener Verhältnisse turbulentes Wochenende. Die FPÖ, der er seit 30 Jahren angehörte und die er 14 Jahre führte, hat Strache unter anderem wegen des Ibiza-Eklats (die Videofalle in der verwanzten Villa) und einer Finanzaffäre ausgeschlossen. Parallel dazu arbeitet er an einem Comeback, vermutlich über eine Mini-Partei in der Wiener Landespolitik. Gleichzeitig berichten mehrere deutsche Medien über neue Vorwürfe gegen Strache aus seiner Zeit als FPÖ-Chef.

Die Grundlage für die Berichte von „Spiegel“ und „SZ“ stammen aus den Ermittlungsakten der Justiz in der Ibiza-Affäre. Es sind Fotos von Taschen mit Bargeld dubioser Herkunft, die offenbar in Straches Dienst-BMW liegen, 2013 und 2014 aufgenommen von einem Leibwächter.

Die Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft hatte demnach im Herbst ein anonymes Fax erreicht, in dem es hieß, Strache habe „regelmäßig Sporttaschen mit hohen Summen Bargeld erhalten“, dahinter steckten Kräfte aus Osteuropa. Das Geld könnte, so eine Vermutung, in Zusammenhang mit einem Mandatskauf stehen.

Demnach sollen ukrainische Oligarchen mit geschäftlichen Interessen in Österreich zehn Millionen Euro ausgelobt haben, um dem FPÖ-Mann Thomas Schellenbacher ein Mandat im österreichischen Parlament zu verschaffen. Strache hatte laut „Spiegel“ den bis dahin politisch unbekannten Unternehmer Schellenbacher 2013, einen Tag nachdem eine der Aufnahmen mit den Geldbündeln entstanden war, als Überraschungskandidaten auf der Wiener Landesliste präsentiert.

Strache soll außerdem systematisch private Rechnungen getarnt als dienstliche Ausgaben geltend gemacht haben – Urlaube, ein Privatjet, Essen, Zigaretten, sogar Taschengeld für die Kinder. „Haltlose Behauptungen“ seien das, kontert der 50-Jährige. Die Vorwürfe werden noch bizarrer. So soll die FPÖ unter seiner Führung einen Plan ausgearbeitet haben, sich für den Fall einer Nato-Invasion in Österreich mit Goldvorräten und Waffen ins Osttiroler Defereggental zurückzuziehen. „Detailansichten aus der Wahnwelt eines Politikers, der sich als Anwalt des kleinen Mannes verkaufte, nicht ohne selbst in Saus und Braus zu leben“, schreibt der „Spiegel“.

Strache selbst ficht das kaum an. Statt dessen arbeitet der im Oktober zurückgetretene Vizekanzler konkret an der Rückkehr auf die politische Bühne. In Wien hat sich ein Teil der FPÖ-Fraktion abgespalten. Als „Die Allianz für Österreich“ (DAÖ) wollen drei Landtagsabgeordnete in der Hauptstadt künftig fungieren. Sie haben Strache zu sich eingeladen. Laut österreichischen Medienberichten würde einer der drei zudem spätestens im März auf sein Mandat verzichten – Nachrücker wäre dann passenderweise Strache.

Im ORF äußerte sich der Ex-Vizekanzler vage positiv über die Idee eines Comebacks fernab der FPÖ, die mit ihm gebrochen hat. „Ich bleibe ein politischer Mensch“, möglich sei alles. Er habe schon einmal eine Partei fast aus dem Nichts zu über 30 Prozent in Wien geführt, sagte Strache. „Das könnte mir noch mal gelingen.“  (mit afp) CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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