Jerusalem – Israels rechtskonservativer Regierungschef Benjamin Netanjahu (70) kämpft um sein politisches Überleben – auch in der eigenen Partei. Bei einer internen Wahl am Donnerstag waren rund 116 000 Likud-Parteimitglieder aufgerufen, ihren Parteivorsitzenden und zugleich Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl am 2. März zu bestimmen. Dabei trat gegen Netanjahu der erste ernsthafte Rivale seit Jahren an: Der 53 Jahre alte Gideon Saar, früher Innenminister und Erziehungsminister. Wegen ungewöhnlich stürmischer Wetterbedingungen wurde das Zeitfenster der Wahl verlängert. Nach Schließung der landesweit mehr als 100 Wahllokale um 22 Uhr wurde mit dem Ergebnis am Freitagmorgen gerechnet.
Es galt als wahrscheinlich, dass der seit 2009 durchgängig als Regierungschef amtierende Netanjahu wieder das Rennen macht. Die Likud-Parteimitglieder gelten als extrem loyal und haben noch nie einen amtierenden Parteivorsitzenden abgewählt. Saar wurde jedoch ein Achtungserfolg zugetraut.
Israel befindet sich wegen einer fortwährenden Pattsituation zwischen dem rechts-religiösen und dem Mitte-Links-Lager in einer bislang beispiellosen Politkrise. Weil weder Netanjahu noch seinem Herausforderer Benny Gantz vom Mitte-Bündnis eine Regierungsbildung gelungen ist, wird im März schon zum dritten Mal binnen eines Jahres ein neues Parlament gewählt.
Netanjahu dominiert die Likud-Partei bereits seit Jahrzehnten. Er war von 1993 bis 1999 Parteivorsitzender, die letzten drei Jahre davon auch Regierungschef. Nach seiner Wahlniederlage 1999 trat Netanjahu als Parteivorsitzender zurück, sein Nachfolger wurde damals Ariel Scharon. 2005 schied Scharon dann aus dem Likud aus, um die Kadima-Partei zu gründen. Seitdem ist Netanjahu durchgängig Likud-Parteivorsitzender.