Papst prangert Unrecht und Konflikte an

von Redaktion

Weihnachtsbotschaften aus Rom und den deutschen Kirchen: Gegen „Kultur der Empörung und Abwertung“

Rom/München – Papst Franziskus hat zu Weihnachten die Abschottungspolitik der reichen Länder gegenüber Flüchtlingen angeprangert. In seiner Weihnachtsbotschaft auf dem Petersplatz in Rom erinnerte er an das Leid derer, die aus Not ihre Heimatländer verließen.

„Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, Wüsten und Meere, die zu Friedhöfen werden, zu überqueren. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie dazu zwingt, unsagbare Misshandlungen, Knechtschaft jeder Art und Folter in den unmenschlichen Auffanglagern zu ertragen. Es ist die Ungerechtigkeit, die sie abweist von Orten, wo sie eine Hoffnung auf ein würdiges Leben haben könnten und die sie auf Mauern der Gleichgültigkeit stoßen lässt“, sagte Franziskus.

Am Ende seiner Weihnachtsbotschaft spendete der Papst den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis). Dieser wird jährlich zu Weihnachten und Ostern sowie nach der Wahl eines neuen Papstes ausgesprochen.

Der aus Argentinien stammende Pontifex hatte auch in der Vergangenheit immer wieder offene Grenzen für Flüchtlinge verlangt und auch schon einmal Aufnahmelager auf den griechischen Inseln mit „Konzentrationslagern“ verglichen. In seiner Weihnachtsbotschaft widmete er sich auf der Loggia des Petersdoms vor 55 000 Gläubigen auf dem Platz auch den zahllosen Konflikten auf der Welt. Er erinnerte auch an den jahrzehntealten Konflikt im Heiligen Land, an die Proteste und Unruhen im Libanon und im Irak und an den blutigen Konflikt im Jemen. Mit Blick auf Afrika erwähnte er die Konflikte im Osten Kongos und beklagte die Angriffe „radikaler Gruppierungen“ in Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria. Er forderte einen dauerhaften Frieden in der Ukraine und eine Aussöhnung in Venezuela. Am Donnerstag erinnerte er zum Hochfest des heiligen Stephanus an die Märtyrer, die für den christlichen Glauben gestorben sind.

Die Kirchen in Deutschland haben an Weihnachten zu einem neuen gesellschaftlichen Miteinander aufgerufen. Egoismus als Lebensprinzip zerstöre die Gesellschaft, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in der Münchner Matthäuskirche. Er warnte am ersten Weihnachtstag zudem vor einer „Kultur der Anprangerung, Empörung und Abwertung in den sozialen Medien“. Ein Leben in Achtung und Respekt sei das viel bessere Leben. Er rief in München zu einem neuen Lebensstil im Einklang mit der Natur auf.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ermahnte an Heiligabend die Menschen zu tätiger Solidarität. Wer die weihnachtliche Botschaft ernst nehme, dürfe nicht mehr nur das eigene Ich und eigene Interessen im Blick haben.  dpa/epd/kna/afp

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