Berlin/München – Die Jahre des extremen Ansturms sind vorbei, der Lage bleibt aber sehr angespannt. Aus den Migrationszahlen, die rund um den Jahreswechsel für Europa und Deutschland vorgelegt werden, geht keine Entwarnung hervor. „Die Zahlen sind aktuell zwar geringer, der Migrationsdruck nach Europa bleibt aber gewaltig“, sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri der „Welt“ angesichts der Statistik über illegale Einreisen.
Die Zahl der irregulären Grenzübertritte an EU-Außengrenzen ist nach den Frontex-Angaben 2019 gesunken. Bis Jahresende dürften rund 120 000 illegale Einreisen in die Europäische Union gezählt werden. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Rückgang um rund zehn Prozent und deutlich weniger als im Rekordjahr 2015 mit rund 1,2 Millionen unerlaubten Grenzübertritten. Leggeri warnt, ein großes Thema seien die Weiterreisen der Migranten innerhalb Europas im eigentlich grenzkontrollfreien Schengen-Raum. „Sie stellen in mehreren Mitgliedsstaaten Asylanträge – das verstößt gegen die EU-Regeln.“
Die meisten Migranten gelangten in diesem Jahr über die Ägäis nach Europa. Die Zahl der Migranten, die Italien auf dem Seeweg erreichen, hat sich hingegen in diesem Jahr im Vergleich zu 2018 halbiert. Gegenüber 2017 ergibt sich sogar ein Rückgang um gut 90 Prozent, wie aus einer neuen Statistik des Innenministeriums in Rom hervorgeht. Demnach landeten 2019 bis zum 24. Dezember 11 439 Migranten an den italienischen Küsten. Die meisten der Migranten (2654) kamen in diesem Jahr aus Tunesien. Es folgen als Herkunftsländer Pakistan mit 1180 und die Elfenbeinküste mit 1135 Ankömmlingen.
Als Hauptgrund für den starken Rückgang der Migration nach Italien gilt ein umstrittenes Abkommen, das die damalige sozialdemokratische Regierung 2017 mit Libyen schloss. Das Memorandum wurde laut Medienberichten von informellen Vereinbarungen mit diversen Milizen des Bürgerkriegslandes begleitet. Ziel war es, Migranten von Libyen aus nicht aufs Meer hinaus zu lassen.
Die Zahl der Asylanträge in der EU ist hingegen einem Bericht zufolge 2019 erstmals seit vier Jahren wieder gestiegen. Von Januar bis Ende September hätten die EU-Länder 473 215 Erstanträge auf Asyl registriert, berichtet die EU-Statistikbehörde Eurostat. In Deutschland sei die Zahl dennoch spürbar zurückgegangen. Deutschland bleibe mit 111 015 Anträgen bis Ende September zwar weiter Hauptzielland für Asylbewerber, aber mit stark sinkender Tendenz: In diesem Jahr wurden den Angaben zufolge nur noch 23 Prozent der Anträge in der Bundesrepublik gestellt. 2017 seien es noch 31 Prozent gewesen. dpa/afp/mm