Paris – Nach wochenlangen Streiks haben die gemäßigten Gewerkschaften Frankreichs Regierung im Streit um die Rentenreform ein Ultimatum gesetzt. Bis zum nächsten Treffen am Freitag soll eine besonders umstrittene Regelung, nach der die Franzosen länger arbeiten müssen, vom Tisch sein, forderten die Generalsekretäre zweier Gewerkschaften gestern. Zuvor hatten sich Vertreter der Gewerkschaften und der Regierung getroffen, um nach einer Lösung zu suchen. Ein Ende der seit mehr als einem Monat andauernden Streiks ist nicht in Sicht.
Auch gestern waren der Fernverkehr sowie der öffentliche Nahverkehr in Paris massiv gestört. Die Metros und Vorstadtzüge fuhren nur zu Stoßzeiten – und in viel geringerer Taktung als normal. Das zerrt an den Nerven der Pariser, die Bahnen sind überfüllt – wer morgens oder abends unterwegs ist, muss viel Geduld mitbringen. Es ist ein Rekordstreik bei der französischen Staatsbahn. Auch Ölraffinerien wurden gestern im ganzen Land verstärkt blockiert. Die Regierung versicherte aber, dass es keine Benzinknappheit gebe.
Am Vormittag hatte sich Frankreichs Premier Édouard Philippe kompromissbereit gezeigt und angekündigt, sich am Freitag erneut mit den Sozialpartnern an einen Tisch setzen zu wollen. Dabei soll ein Vorschlag der gemäßigten Gewerkschaft CFDT diskutiert werden: Generalsekretär Laurent Berger hatte eine Konferenz zur Finanzierung des Rentensystems ins Spiel gebracht. Philippe bezeichnete den Vorschlag als „gute Idee“, die nun aber ausgearbeitet werden müsse.
Die gemäßigten Gewerkschaften sperren sich besonders dagegen, dass die Franzosen bis 64 Jahre arbeiten sollen, um volle Rentenbezüge zu erhalten. Dieses von der Regierung vorgeschlagene sogenannte Gleichgewichtsalter soll sicherstellen, dass das Rentensystem dauerhaft finanziert werden kann.