Es ist ein trauriges Bild, das Deutschland bei Organspenden abgibt. In Westeuropa hält man die rote Laterne mit gerade mal 11,5 Spendern pro eine Million Einwohner. 3113 Organe wurden 2018 gespendet – 9397 Deutsche stehen auf der Warteliste. 719 von ihnen warten auf ein Herz. Die Wartezeit auf eine Niere beträgt aktuell fast zehn Jahre. Die Folge: Rund 1000 Menschen sterben jedes Jahr, weil kein rettendes Organ in Sicht ist.
Aktuelle Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Deutschen eigentlich spendebereit sind – aber nur etwa jeder Dritte hat einen Organspendeausweis. Bedeutet: Unser aktuelles Spendesystem ist nicht sonderlich effektiv. Zu wenige Menschen beschäftigen sich mit dem Thema, solange sie nicht selbst betroffen sind. Mit der Widerspruchslösung würde das anders. Nach wie vor muss niemand spenden, er kann jederzeit auf einfache Weise widersprechen. Ein einfaches Nein, ist das zu viel verlangt? Nein, ist es nicht. Wer gerne ein Spenderorgan hätte, sollte auch bereit sein, eines zu geben. Das ist nur solidarisch. Und wer Organspenden grundsätzlich ablehnt, kann ja ebenfalls widersprechen.
Menschen könnten zu Spendern werden, die das gar nicht wollen, lautet ein Argument gegen die Widerspruchslösung. Ja, könnte sein, wenn jemand das Thema weiter verdrängt. Derzeit sind aber weit mehr Deutsche Nicht-Spender, die eigentlich dazu bereit wären. In dieser Abwägung sollte man sich für eine Lösung entscheiden, die Leben rettet.