München/Berlin – Seit dem Sturz Muammar al-Gaddafis 2011 ist Libyen nie zur Ruhe gekommen. Der Diktator hat ein Machtvakuum hinterlassen, das bis heute Akteure mit unterschiedlichsten Interessen anzieht. Ein Überblick.
Deutschland
Berlin engagierte sich zunächst kaum in Libyen. Für Angela Merkel bedeutet das Glaubwürdigkeit als Gipfel-Gastgeberin. Deutschlands großes Interesse liegt darin, den Flüchtlingsstrom Richtung Europa zu drosseln. Libyen soll verhindern, dass Schlepperboote nach Norden aufbrechen. Auch im Anti-Terror-Kampf ist das Land wichtig. Rechtlose Räume in Libyen werden von islamistischen Gruppen genutzt.
Ägypten
Als direkter Nachbar Libyens und mit einem der stärksten Militärs im Nahen Osten ist man ein wichtiger Unterstützer General Haftars. Ägypten will den Einfluss islamistischer Gruppen zurückdrängen, die die Sarradsch-Regierung unterstützen.
Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Auch die Emirate wollen solche Gruppen eindämmen und setzen auf Haftar. Ohne ihre Bombardements und die Angriffe mit Kampfdrohnen hätte der General den Bürgerkrieg wohl schon verloren. In Libyen sind die Emirate sein wohl wichtigster Partner.
Saudi-Arabien
Das Königreich soll Haftar ebenfalls gestärkt haben. Laut „Wall Street Journal“ unterstützte es die Offensive auf Tripolis mit mehreren zehn Millionen Dollar. Kurz vor deren Beginn im April besuchte Haftar in Riad den saudischen König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman.
Russland
Moskau, das ebenfalls Haftar stützt, hat viel in die Konferenz investiert. Kremlchef Wladimir Putin sagte neben Merkel auch vielen anderen Politikern zu, die Veranstaltung „mit allen Mitteln“ zum Erfolg zu bringen. Sein Land will in der Region eine bestimmende Macht werden. Zudem will Russland in Libyen Energie-, Militär- und Infrastrukturverträge zurückgewinnen, die beim Sturz Gaddafis verloren gingen.
Türkei
Ankara geht es bei der Unterstützung der Sarradsch-Regierung um Interessen im Energiesektor. Die Türkei hat kaum eigene Energievorkommen. Ein neues Abkommen zu gemeinsamen Seegrenzen mit Libyen stoppt aus Sicht der Türkei Erdgas-Projekte anderer Mittelmeer-Anrainer, an denen sie nicht beteiligt wurde, und erlaubt ihr Zugang zu den Energiereserven.
USA
Sie stellten sich zunächst hinter al-Sarradsch, ehe Präsident Trump im April überraschend Haftar den Rücken stärkte. Washington will die Ölproduktion Libyens am Laufen halten, Haftar kontrolliert mit verbündeten Milizen die meisten Ölfelder. Ein wichtiger Faktor ist er auch im Anti-Terror-Kampf. mb/dpa