„Der Sieger von Berlin heißt Wladimir Putin“

von Redaktion

Internationales Presseecho: Mechanismus zur Durchsetzung fehlt – Haftar und Sarradsch nicht an einem Tisch

Der Berliner Libyen-Gipfel fand international ein breites Echo in den Kommentaren der Presse. Eine Auswahl:

Iswestija, Moskau

„In Berlin konnte kein Schlusspunkt unter die seit neun Jahren andauernde Krise gesetzt werden. Um den Konflikt beizulegen, ist vielmehr eine innerlibysche Konferenz notwendig, bei der die beiden Kraftzentren des Landes endlich einander zuhören. So jedenfalls füllt der deutsche Gipfel nur die Liste ähnlicher Treffen in Paris und Palermo, die den bestehenden Status bestätigten, aber das Problem an sich nicht lösen.“

US-Agentur Bloomberg

„Das Treffen in Berlin hat eigentlich nur eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Ansonsten ist es nicht einmal gelungen, einen Mechanismus zur Durchsetzung des Waffenembargos einzusetzen.“

Tagesanzeiger, Zürich

„Richtig ist der Ansatz der Berliner Konferenz zu Libyen zweifellos: Wenn die ausländischen Mächte ihre Unterstützung einstellen, ihre Waffenlieferungen stoppen, ihre Söldner abziehen würden, dann würde eine wesentliche Triebfeder des Konflikts wegfallen, der von einem Bürgerkrieg zum regionalen Stellvertreterkrieg mutiert ist. Allerdings ist fraglich, ob die politischen Zusagen von Berlin auch wirklich eingehalten werden.“

La Repubblica, Rom

„Der einzige Gast, der in Berlin als Sieger hervorgeht, ist Wladimir Putin. Indem er Haftar mit seinen Söldnern unterstützte, es aber vermied, sich mit offiziellen Kräften einzuschalten, gewann er eine politische Rolle in Nordafrika und an der südlichen Mittelmeerküste, die die Sowjetunion verloren hatte. Wenn der Waffenstillstand Bestand haben wird, entsteht für ihn kein Schaden. Wenn er scheitert, wäre das ein Scheitern Europas und er könnte den Stellvertreterkrieg fortsetzen, den er begonnen hatte.“           New York Times

„Merkel hat es nicht geschafft, den libyschen Premier Sarradsch und General Haftar an einen Tisch zu bringen. Noch während der Gespräche im Kanzleramt ist die Waffenruhe erneut verletzt worden.“

Dernière Nouvelles         d’Alsace, Straßburg

„Von der internationalen Konferenz zu Libyen war kein Wunder zu erwarten. Der Wille von General Haftar, Kontrolle über das Land mit Waffengewalt zu übernehmen, scheint unerschütterlich und es ist schwer zu erkennen, was ihn davon abhalten könnte. Letzte Woche in Moskau hat er sich Putin und Erdogan, die als durchaus überzeugend gelten, entgegengestellt und sich der Unterzeichnung eines Waffenstillstands verweigert.“

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