Italiens Sterne sinken

von Redaktion

„Cinque Stelle“ vor Regionalwahlen tief in der Krise – Lega-Chef Salvini will daraus Kapital schlagen

Rom – Am kommenden Sonntag blicken die politischen Beobachter in Italien ausnahmsweise einmal nicht nach Rom, sondern nach Catanzaro und Bologna. In den Hauptstädten Kalabriens und der Emilia-Romagna werden neue Regionalparlamente gewählt.

In Kalabrien liegt laut Umfragen eine Rechtskoalition vorne. Auch in der Emilia-Romagna, der traditionellen Hochburg der italienischen Linken, ist ein Sieg des Bündnisses nicht ausgeschlossen, das von der rechtsnationalen Lega angeführt wird. Italienische Zeitungen schreiben von einer „spallata“, vom Schubser, der bei einer deutlichen Niederlage der bisherigen sozialdemokratischen Amtsinhaber auch das Regierungsbündnis in Rom platzen lassen könnte. In diesem Zusammenhang ist auch der Rücktritt von Luigi Di Maio zu sehen. Der 33-Jährige legte sein Amt als politischer Chef der Fünf-Sterne-Bewegung nieder, bleibt aber Außenminister.

Die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) durchlebt derzeit die komplizierteste Phase seit ihrer Gründung durch den Satiriker Beppe Grillo im Jahr 2009. Im vergangenen August provozierte der damalige Innenminister Matteo Salvini (Lega) den Koalitionsbruch mit den Sternen, weil er auf Neuwahlen spekulierte. Stattdessen taten sich Di Maios Sterne mit den Sozialdemokraten zu einem Bündnis zusammen, das die Regierung von Premier Giuseppe Conte mehr schlecht als recht trägt. Die Koalition ist in zahlreichen Fragen zerstritten, die Sterne verlieren immer mehr an Rückhalt bei den Wählern. Die Regional-Abstimmungen sind deshalb mehr als ein Stimmungstest über die Arbeit der regierenden Links-Bündnisse. Sie gelten als Plebiszit für die gesamte italienische Politik.

Die ursprünglich eher linksgerichtete, aber ideologisch flexible Fünf-Sterne-Bewegung ist nicht nur Sammelbecken für Unzufriedene aller Art, sondern seit zwei Jahren der zentrale politische Faktor in Italien. Bei der Parlamentswahl 2018 erreichten die Sterne unter der Führung Di Maios knapp 33 Prozent der Stimmen. Bei der EU-Wahl im vergangenen Jahr halbierte sich der Zuspruch für die Sterne bereits, während Salvini mit seiner ausländerfeindlichen Politik im selben Zeitraum die Stimmen der Lega verdoppelte. Von 17 Prozent im Jahr 2018 schnellte die Lega auf 34 Prozent bei der EU-Wahl. Salvini erhebt seither Anspruch auf den Posten des Regierungschefs.

„Italiener zuerst“, lautet Salvinis Wahlspruch. Seine Kampagnen gegen Flüchtlinge und Ausländer fruchten in breiten Schichten der Bevölkerung. Mit umstrittenen Aktionen macht der Ex-Innenminister im Wahlkampf von sich reden. Vor Tagen klingelte er in der Peripherie Bolognas an einer Haustüre und fragte vor laufenden TV-Kameras provokativ, ob hier ein Drogendealer tunesischer Herkunft wohne. Eine Anwohnerin hatte dieses Gerücht verbreitet. Der betroffene 17-Jährige, der sich als unbescholtener Schüler beschreibt, kündigte eine Anzeige wegen Verleumdung an. JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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