Griechen zürnen erneut Merkel

von Redaktion

Ärger über Berlins Libyen-Politik – Scheingefechte mit der Türkei

Athen – Die Griechen sind sauer auf Deutschland. Das ist zwar kein Novum. Nach dem Beinahe-Staatsbankrott im Frühjahr 2010 hatte der aus Sicht der Hellenen von Berlin diktierte rigorose Sparkurs in Athen mit all seinen wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen die Gemüter erhitzt. Der tief sitzende Antigermanismus treibt nun neue Blüten. Grund: die Haltung Berlins in der Libyen-Krise und Angela Merkels große Libyen-Konferenz.

Die Griechen werfen der Bundesregierung vor, die griechischen Positionen zur Libyen-Politik des ungeliebten Nachbarns Türkei, die Interessen Athens im östlichen Mittelmeer verletze, zu ignorieren. In einer Umfrage (Pulse für „Skai TV“) erklärten fulminante 76 Prozent, dass sie die Haltung Berlins als negativ beurteilen. Zum Vergleich: Sogar die USA unter Trump, der den türkischen Präsidenten Erdogan als „Freund“ bezeichnet, schneiden deutlich besser ab, 31 Prozent positive Bewertungen.

Hintergrund ist vor allem ein im Dezember überraschend von Ankara mit Libyen geschlossenes Abkommen. Es sieht die Festsetzung einer Seegrenze im östlichen Mittelmeer vor. Das Abkommen zwischen Ankara und Tripolis löste in Athen breite Empörung aus. Die konservative Regierung unter Premier Kyriakos Mitsotakis sowie alle Oppositionsparteien lehnen es als rechtswidrig ab.

Unterdessen nehmen die Spannungen zwischen Athen und Ankara wieder deutlich zu. Die Anzahl der Verletzungen des griechischen Luftraums in der Ost-Ägäis durch türkische Kampfjets sind in diesen Tagen in die Höhe geschnellt. Scheingefechte zwischen griechischen und türkischen Kampfflugzeugen sind an der Tagesordnung.

FERRY BATZOGLOU

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