Die lachende Vierte

von Redaktion

Die Demokraten Biden, Sanders und Warren galten lange als Favoriten – doch Amy Klobuchar ist im Aufwind

Washington – Joe Biden. Bernie Sanders. Elizabeth Warren. Die Namen dieser drei Demokraten kennen die meisten politisch interessierten US-Bürger. Das Trio stellt den engeren Favoritenkreis für die am Montag im Bundesstaat Iowa beginnenden Präsidentschafts-Vorwahlen. Doch einiges spricht dafür, dass sich bald ein vierter Name dazugesellen könnte. Denn die Senatorin Amy Klobuchar, deren Namen manche Fernsehmoderatoren kaum auszusprechen wagen, wird derzeit von einem überraschenden Aufwind in den Umfragen nach oben getragen. Die 58-Jährige aus Minnesota hat sich klammheimlich von einst ein bis zwei Prozent Zustimmungsquote in der Partei auf derzeit zehn Prozent hochgearbeitet, glaubt man einer Umfrage der Monmouth-Universität. Andere Erhebungen zeigen sie in einem konstanten Aufstieg seit November 2019.

Profitiert haben dürfte Klobuchar, die wie Ex-Vizepräsident Biden zur gemäßigten Mitte der Demokraten gehört, dabei von zwei Faktoren. Zum einen hatte die liberale „New York Times“ vor zehn Tagen überraschend neben der linksorientierten Professorin Elizabeth Warren auch Klobuchar als mögliche Präsidentin empfohlen. Zum anderen hat Barack Obama durch Ex-Mitarbeiter an die Öffentlichkeit tragen lassen, dass er das Land nicht für einen Ruck nach links hin zu sozialistischen Ideen bereit sieht, wie sie beispielsweise Bernie Sanders verkörpert.

Hinzu kommt, dass sich Klobuchar bei den bisherigen TV-Debatten als extrem faktenstark und sachlich präsentierte – ganz anders als etwa der gelegentlich stotternde und nach Details suchende Biden oder die Kontrahenten Warren und Sanders, die bei der letzten Diskussionsrunde spektakulär aneinandergerieten und sich gegenseitig der Lüge beschuldigten.

Die lachende Vierte Amy Klobuchar geht allerdings auch nicht ganz unbelastet in die ersten Vorwahlrunden in Iowa und am 11. Februar in New Hampshire. Nachdem sie vor knapp einem Jahr in einem Schneesturm in Minneapolis ihre Präsidentschaftskandidatur verkündet hatte, gab es zunächst jede Menge Negativschlagzeilen. Ehemalige Mitarbeiter meldeten sich – zumeist anonym – zu Wort und beschwerten sich über die frühere Chefin. Die schlagzeilenträchtigste Story las sich dabei so: Klobuchar, seit 2007 im Senat, war ein Jahr später auf einer Flugreise unterwegs. Ihr Assistent sollte ihr einen Salat am Airport kaufen, vergaß aber, ein Plastikbesteck zu besorgen. Klobuchar habe deshalb den Mitarbeiter an Bord lautstark beschimpft. Dann habe die Senatorin den Salat mit ihrem Kamm gegessen, den der Helfer später säubern musste. US-Medien berichteten zudem, dass die Volksvertreterin von allen Senatsmitgliedern die häufigsten Personalwechsel habe und extrem anspruchsvoll gegenüber Mitarbeitern sei.

Solche Stories dürften spätestens dann wieder in den Vordergrund rücken, sollte Klobuchar zum Auftakt gut abschneiden. Verdrängt worden ist bei vielen Berichten über sie in den USA bisher, was die wichtigsten politischen Positionen der Bewerberin sind.

Sie reichen von den bei allen demokratischen Kandidaten populären stärkeren Beschränkungen für Waffenkäufer über den Kampf gegen den Klimawandel bis hin zu besseren Handelsverträgen. Allzu radikal-linke Positionen wie eine staatliche Zwangs-Krankenversicherung bei Wegfall aller privaten Optionen lehnt sie – im Gegensatz zu Sanders und Warren – strikt ab. Und das scheinen die Wähler der Mitte immer stärker zu honorieren. FRIEDEMANN DIEDERICHS

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