Erst Debakel, dann Überraschung

von Redaktion

Eine Wahl ohne Ergebnis und ohne Gewinner – gibt es nicht? So schien es zumindest. Dann am späten Abend kamen beim Vorwahl-Auftakt der Demokraten in Iowa doch noch erste Ergebnisse – und eine faustdicke Überraschung.

VON CAN MEREY UND CHRISTIANE JACKE

Des Moines – Iowa sollte der große Auftakt für den Vorwahl-Reigen der Demokraten sein, eine Kampfansage an den Amtsinhaber Donald Trump, der Start für das demokratische Rennen um die Wiedereroberung des Weißen Hauses. Doch die erste Vorwahl der US-Demokraten ist zum Debakel geworden: Die Partei sah sich wegen technischer Fehler nicht im Stande, Wahlergebnisse zu veröffentlichen. Den gesamten Wahlabend über und in der Nacht herrschte Ratlosigkeit.

Am späten Abend kamen dann erste Teilergebnisse. Demnach liegt der frühere Bürgermeister Pete Buttigieg in Teilergebnissen der Vorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat Iowa in Führung. Wie die Demokraten mitteilten, kam Buttigieg nach Auszählung von 62 Prozent der Stimmen auf 26,9 Prozent. Hinter ihm liegen der linksgerichtete Senator Bernie Sanders (25,1 Prozent), die Senatorin Elizabeth Warren (18,3 Prozent) und Ex-Vizepräsident Joe Biden (15,6 Prozent).

Zuvor herrschte im Lager der Demokraten Auszählungschaos. Und einer freute sich köstlich: US-Präsident Donald Trump ließ seinem Spott über die Demokraten in einer ganzen Serie von Tweets freien Lauf. Die Abstimmung bei den Demokraten sei ein „komplettes Desaster“, schrieb Trump da. Die Demokratische Partei habe vollkommen versagt. Er frage sich, wann die Demokraten anfingen, Russland für das Debakel verantwortlich zu machen anstatt ihre eigene Inkompetenz. Auch Trumps Wahlkampf-Team und sein Umfeld verhöhnten die Demokraten auf allen Kanälen: Diese wollten das Land regieren und schafften es nicht mal, vernünftig eine Wahl abzuwickeln.

Aber auch Kommentatoren jenseits der Republikaner fällten ein wenig schmeichelhaftes Urteil: peinlich sei das Ganze, eine Blamage, ein unglaubliches Versagen. Und die demokratischen Präsidentschaftsbewerber waren ebenfalls nicht erfreut. Sie reagierten enttäuscht, frustriert und verärgert auf die nicht enden wollende Verzögerung. Der Schwung, den sie sich von dem Vorwahl-Auftakt in Iowa erhofft hatten, wurde jäh ausgebremst.

Was ist passiert? Bei Parteiversammlungen hatten Demokraten und Republikaner in Iowa darüber abgestimmt, wen sie für den besten Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei halten. Das Prozedere bei diesen „Caucus“-Treffen ist kompliziert und unterscheidet sich deutlich von Abstimmungen per Wahlzettel. Es war mit späten Ergebnissen gerechnet worden, eine derartige Verspätung hatte aber niemand vorausgesehen.

Die Demokratische Partei begründete die Verzögerung zunächst mit „Qualitätskontrollen“. Bei drei Datensätzen gebe es „Ungereimtheiten“. Es handele sich nicht um einen Hackerangriff. Iowas Parteichef Troy Price sagte in einer Telefonschalte, die Ergebnisse würden „später am Tag“ bekannt gegeben. Stimmen würden per Hand überprüft.

Später veröffentlichte die Partei eine weitere Stellungnahme, in der sie einen Programmierfehler als Grund für das Chaos nannte. Einen Zeitplan lieferten die Demokraten nicht. Sie betonten aber, an erster Stelle stehe, die Integrität und Genauigkeit der Abläufe sicherzustellen.

Bevor die ersten Zwischenergebnisse veröffentlicht wurden, hatte unter den Kandidaten bereits der Kampf um die Deutungshoheit begonnen. Buttigieg, Ex-Bürgermeister von South Bend, war schon früh optimistische: Er sagte vor Anhängern in Iowas Hauptstadt Des Moines, nach allen Anzeichen gehe er „siegreich“ in die nächsten Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire, die am kommenden Dienstag stattfinden. Bidens Team, das auf dem enttäuschten vierten Rang landete, war das erste, das in einem Schreiben an die Partei in Iowa „erhebliche Mängel“ in dem Auszählungsprozess kritisierte.

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