Heute vor 75 Jahren liefen die Planungen für den verheerenden Angriff auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 auf Hochtouren. Die britisch-amerikanische Flotte von mehr als 1200 schweren Bombern und der Abwurf von über 200 000 Bomben auf eine einzige Stadt war das Ergebnis einer unmenschlich industrialisierten Kriegstechnik.
Deutschland lag zu diesem Zeitpunkt schon fast am Boden. Dresden war überfüllt mit Flüchtlingen und kaum verteidigt. Daher gingen überhaupt nur sechs Flugzeuge verloren, davon drei durch versehentlich auf sie von oben abgeworfene Bomben. Trotz der Zerstörung von über 75 000 Häusern, darunter elf Kirchen, waren die Verluste an der Zivilbevölkerung mit vermutlich ca. 25 000 Toten zwar schrecklich, aber doch sehr viel geringer, als von der Propaganda nach dem Angriff verkündet. „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens“, stellte Gerhart Hauptmann zu Recht fest.
Die Diskussion aber, ob dieser Angriff gerechtfertigt war oder als Kriegsverbrechen angesehen werden musste, begann sofort auch auf alliierter Seite. Als Erstes distanzierte Churchill sich von dieser Flächenbombardierung und schrieb an die englischen Generalstäbler, dass es Zeit sei, die Bombardierung deutscher Städte, nur um den Terror zu erhöhen, zu überdenken.
Der Schrecken von Dresden und ebenso der russische U-Boot-Angriff auf das Flüchtlingsschiff Wilhelm Gustloff haben seither die völkerrechtliche Diskussion darüber beflügelt, dass auch in einem noch so gerechtfertigten Krieg Grenzen einzuhalten sind. Das heutige Völkerrecht würde einen Angriff wie den damals auf Dresden oder erst recht auf die Gustloff vor der Küste Pommerns ohne Weiteres als Kriegsverbrechen einordnen.
Das konnte man auch sehen an der allgemeinen Empörung über die Drohung, die US-Präsident Donald Trump nach seinem Drohnenschlag ausgesprochen hat, im Iran auch historisch wichtige Kulturdenkmale unter Umständen zu zerstören. Deswegen war es richtig und wichtig, dass engste Mitarbeiter von Trump und auch das Pentagon sich umgehend von einer solchen Möglichkeit distanziert haben. Alle Beteiligten hätten im Falle eines solchen Befehls die Pflicht, dem nicht Folge zu leisten.
Unser nicht nur in diesem Punkt weiter entwickeltes Völkerrecht ist ein großer Fortschritt. Durch den Besitz von Atomwaffen in der Hand vieler ist aber die Gefahr einer neuen Massenzerstörung keineswegs gebannt. Dazu könnte heute eine Stadt mit digitalen Angriffen auf Transportsysteme und auf elektrische wie digitale Netzwerke vielleicht noch stärker getroffen werden, als es die Massenbombardierungen des Zweiten Weltkrieges vermocht haben.
Als Kriegsgefangener hat Kurt Vonnegut die Bombennacht in Dresden erlebt. Sein Buch darüber trägt den passenden Titel „Schlachthaus 5“. Auch die Dresdner Gestapo-Zentrale wurde zerstört. Alle Unterlagen über die schon zum Abtransport eingeteilten Juden sind dabei verbrannt. Victor Klemperer hat geschildert, wie er dadurch und im Chaos nach der Bombennacht fliehen konnte. Von 200 000 Bomben durfte eine Gutes tun…
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