Washington – US-Justizminister Bill Barr hat überraschend scharfe Kritik an Präsident Donald Trump geübt: Barr, gewöhnlich ein energischer Trump-Verteidiger, warf dem Präsidenten vor, mit seinen Äußerungen die Arbeit seines Ministeriums zu erschweren. Die Twitter-Kommentare machten ihm die Arbeit „unmöglich“, sagte Barr dem Sender ABC News. Trump zeigte sich davon am Freitag unbeeindruckt – und twitterte, er habe das „Recht“, in Strafverfahren einzugreifen.
„Ich habe ein Problem mit einigen der Tweets“, sagte Barr in dem Interview. „Ich kann meine Arbeit hier im Ministerium nicht machen mit ständigen Kommentaren aus dem Hintergrund, die mich untergraben.“ Es sei „an der Zeit, damit aufzuhören“, über Fälle des Justizministeriums zu twittern.
Der Angriff kam völlig unerwartet, da Barr als vehementer Verteidiger des Präsidenten gilt. Prompt wurden Spekulationen laut, mit dem Interview solle womöglich eher die öffentliche Meinung im Vorfeld von Barrs Befragung im Repräsentantenhaus beeinflusst als echte Kritik an Trump geübt werden.
Barr wird am 31. März im Repräsentantenhaus zu seiner Amtsführung Stellung beziehen. Die Demokraten werfen ihm vor, Trump Gefälligkeitsdienste zu erweisen, zuletzt im Umgang mit dem Fall des in der Russland-Affäre verurteilten früheren Trump-Beraters Roger Stone.
Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag bis zu neun Jahre Haft für Stone wegen Falschaussage und Zeugenbeeinflussung gefordert. Als Trump dies auf Twitter kritisierte, intervenierte das Justizministerium und sprach sich für eine mildere Haftstrafe aus. Vier Staatsanwälte zogen sich aus Protest gegen die Intervention von dem Fall zurück. Ein neu eingesetzter Staatsanwalt schlug eine Strafe von drei bis vier Jahren vor.