Walter Kohl: AfD lebt vom Frust

von Redaktion

Kanzler-Sohn stellt sein erstes politisches Grundsatz-Buch vor

Freiburg – Als Sohn des Bundeskanzlers hat Walter Kohl das politische Geschäft mit Intrigen, Konflikten und Machtspielen hautnah mitbekommen. Jetzt meldet sich der 56-Jährige erstmals mit einem politischen Buch zu Wort. Der in Harvard studierte Volkswirt und Historiker sieht Deutschland politisch und gesellschaftlich in der Krise. Und hat eine dringende Mahnung an die CDU, in die er (erst vor Kurzem, im April 2019) eingetreten ist.

„Ich würde mir wünschen, dass die CDU wieder inhaltliche Visionen für die großen Herausforderungen unserer Zeit entwirft: Klima, Migration, Digitalisierung, soziale Spaltung und andere“, sagt Kohl unserer Redaktion. „Nur so können wir Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und dadurch verhindern, dass sich eine Farce wie in Thüringen jemals wiederholt.“ Die Union müsse „wieder zu einem glaubhaften Anwalt der Anliegen von Bürgern werden. Die AfD profitiert von der Frustration Vieler über das Nicht-Funktionieren unseres Staates.“ Es brauche eine konsequente Aufarbeitung des Versagens, „sei es Cum-Ex, die VW-Dieselaffäre oder die immer neuen Desaster bei öffentlichen Ausschreibungen, Stichwort: Flughafen BER, Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie.“

Nur wenn sich die Union selbstkritisch hinterfrage und ehrlich Lehren ziehe, könne sie Wähler von der AfD zurückholen. Dazu zähle eine langfristige Antwort in der Migrationspolitik, „wie wir Europas Außengrenzen gegen irreguläre Migration schützen und gleichzeitig humanitäre Kontingente aufnehmen“. Das Buch „Welche Zukunft wollen wir? Mein Plädoyer für eine Politik von morgen“ (272 Seiten, 24 Euro) erscheint im Herder-Verlag. KLAUS RIMPEL

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