Kritik an Panikmache und mangelnder Aufklärung

von Redaktion

Opposition wirft Staatsregierung „Verantwortungslosigkeit“ vor – Jens Spahn: keine Reisebeschränkungen in Europa

München – Ist Bayern gut genug für eine mögliche zweite Coronavirus-Welle gewappnet, die den Freistaat aus Italien erreichen könnte? Während die Gesundheitsbehörden tagen, sich mit Experten auf Bundesebene austauschen und Empfehlungen herausgeben, kritisiert die Opposition mangelnde Informationspolitik. In der Debatte geht es auch um die Abschottung ganzer Städte wegen des Virus wie in Italien.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: „Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden.“ Der Schutz der Bevölkerung habe oberste Priorität. „Deshalb können auch einschneidende Maßnahmen vorgenommen werden, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.“ Wichtig sei, im konkreten Einzelfall zu entscheiden und mit Augenmaß vorzugehen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, forderte mehr Informationen der Regierung über Gefahren, Gegenmaßnahmen und Verhaltensweisen. „Der Ausbruch des Virus in Italien schafft eine neue Situation und hat auch für Bayern Auswirkungen“, sagte sie. „Nicht zuletzt in der Faschingswoche fahren viele Bayern nach Norditalien und könnten sich dort anstecken.“ Um Panik zu vermeiden, müsse die Regierung die Bevölkerung umfassend aufklären. Dominik Spitzer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, warf Huml Verantwortungslosigkeit vor: „Wer in der jetzigen Situation schon von der Abriegelung ganzer Städte als letzte Lösung spricht, der schürt unnötig Panik in der Bevölkerung.“

In Bayern gab es 14 der 18 in Deutschland positiv getesteten Covid-19-Patienten. Alle standen im Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto aus Gauting-Stockdorf. Dort war im Januar eine Kollegin aus China zu Besuch, die das Virus in sich trug.

In Europa hat vor allem Italien mit der Ausbreitung des Virus zu kämpfen. Grenzüberschreitende Reisesperren wird es trotzdem nicht geben, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestern in Rom nach einem Krisentreffen mit europäischen Kollegen. „Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre.“

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, sagte der Zeitung „Der Neue Tag“ über die Ansteckungsgefahr: „Im Skiurlaub auf der Piste an der frischen Luft ist sicher kein Infektionsrisiko vorhanden. Volle Orte für den Après-Ski würde ich meiden.“ MARCO KREFTING

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