München – Nach dem Ausbruch einer Coronavirus-Epidemie in Italien ist bei einem Italien-Urlauber in Deutschland das neuartige Virus nachgewiesen worden. Es handele sich um einen 25-Jährigen, der sich vermutlich während einer Mailand-Reise angesteckt habe, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart mit. Auch in Nordrhein-Westfalen ist erstmals ein Mensch an dem Virus erkrankt. Der Mann aus Erkelenz sei in die Uniklinik Düsseldorf gebracht worden, erklärte ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr. Sein Zustand war kritisch.
In Deutschland gibt es inzwischen gut ein Dutzend nachgewiesene Infektionen. Bislang standen die Fälle aber stets im direkten Zusammenhang mit dem Ausbruch in China. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt.
In Österreich ist das Virus ebenfalls angekommen. Zwei Menschen wurden positiv getestet. Laut der Nachrichtenagentur APA sperrten die Behörden gestern vorübergehend ein Hotel in Innsbruck, weil eine der Infizierten dort als Rezeptionistin arbeitet. Die Wohnung der 24-jährigen Italienerin sei auch gesperrt worden, hieß es. Es werde nun geprüft, mit wie vielen Hotelgästen sie Kontakt hatte. Noch am Montag hatte Kanzler Sebastian Kurz gesagt, es bestehe kein Grund zur Panik.
Auch andere Länder sorgen sich. Der slowakische Regierungschef Peter Pellegrini stellte Spekulationen richtig: Er sei nicht erkrankt. Am Wochenende war er wegen einer Atemwegsinfektion und Fiebers im Krankenhaus. Es war gemutmaßt worden, dass er vergangene Woche beim EU-Gipfel andere Regierungschefs angesteckt haben könnte. Irans Vize-Gesundheitsminister Iradsch Harirchi ist an dem Virus erkrankt, wie er im Staatsfernsehen mitteilte. Im Iran gibt es bisher 15 Todesopfer, 95 Menschen wurden positiv getestet. Außerdem meldete die Schweiz gestern den ersten Infektionsfall im südlichen Kanton Tessin. Auch in Kroatien gibt es die erste Ansteckung. Frankreich meldete zwei neue Fälle.
Unterdessen breitet sich die Lungenkrankheit in Italien weiter aus. Auf Sizilien, in Südtirol und in der Toskana wurden erste Fälle gemeldet, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli in Rom. Damit stieg die Betroffenenzahl in dem Land mit den meisten Fällen Europas auf über 320, davon seien elf gestorben.
Seit Dienstag setzt daher die Deutsche Post die Zustellung von Paketen in Regionen Norditaliens aus. Regierungschef Giuseppe Conte macht ein Krankenhaus für die Ausbreitung mitverantwortlich. Die betroffene Region Lombardei beschuldigt indes die Regierung, bei der Krisenorganisation gescheitert zu sein. cibo/dpa/mmä