Ein Reformer mit Feingefühl

von Redaktion

Ihm ist die Herkulesaufgabe gelungen, das Bistum Limburg nach dem Verschwendungsskandal um Franz-Peter Tebartz-van Elst in ruhiges Fahrwasser zu führen, jetzt soll Georg Bätzing die katholische Bischofskonferenz befrieden. Nun wurde er zum Nachfolger von Kardinal Marx zum Vorsitzenden gewählt. Ein Reformer der konzilianten Art.

VON CLAUDIA MÖLLERS

Mainz/München – „Georg, du bist dran!“ Die Aufforderung von Kardinal Reinhard Marx an seinen Nachfolger im Amt des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz nimmt der Limburger Bischof Georg Bätzing mit einem freundlichen Lächeln entgegen. Aber der 58-Jährige weiß natürlich, welche schwere Aufgabe er gerade übernommen hat. Er soll das schaffen, was Marx in den vergangenen sechs Jahren trotz Kraftanstrengung nicht gelungen ist: die katholischen Bischöfe in Deutschland auf einen gemeinsamen Reformkurs zu bringen.

Auch wenn es im Vorfeld keinen echten Favoriten gegeben hatte: Georg Bätzing war immer wieder als Kandidat genannt worden. Denn die Art und Weise, wie es dem Gelassenheit ausstrahlenden Theologen gelungen ist, im Bistum Limburg nach den Skandalen seines wegen Verschwendung zurückgetretenen Vorgängers Franz-Peter Tebartz-van Elst wieder Vertrauen in die katholische Kirche aufzubauen, hat Bätzing für die Lösung schwerer Aufgaben geradezu empfohlen.

Die Wahl der 68 Orts- und Weihbischöfe auf der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Mainz gestern bedeutet auch keineswegs eine Abkehr von angestoßenen Reformen: Bätzing bekennt sich ausdrücklich zum „Synodalen Weg“, dem gerade gestarteten Reformprojekt von Bischöfen und Laien, das von einer Minderheit in der Bischofskonferenz heftig kritisiert wird. „Dafür stehe ich ganz und gar“, lässt er keinerlei Zweifel an seiner Haltung aufkommen. Umso passender, dass der „Synodale Weg“ in Frankfurt stattfindet – und damit in Bätzings Diözese Limburg.

Dass der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz einen neuen Führungsstil pflegen wird, zeigt sich gleich nach der Wahl. Unaufgeregt berichtet er von der wenig spektakulären Amtsübergabe: „Man nimmt seine Tasche, Kardinal Marx ist einen Stuhl nach rechts gerückt, der Vorsitzende nimmt seinen Platz ein und versucht die Sitzung weiter in der Tagesordnung zu verfolgen.“ Wie viel Respekt er dennoch vor dem neuen Amt hat, wird schnell klar. Er würdigt seinen Vorgänger Marx, dessen starke Schultern und starken Intellekt. Als er dem Münchner Erzbischof mit der Faust anerkennend an die Schulter boxt, wird sichtbar: Diese beiden Kirchenmänner verstehen sich. Schließlich kennen sie sich auch seit Langem: Bätzing war Regens des Priesterseminars in Trier, als Marx dort Bischof war.

Aber Bätzing macht auch klar: „Ich bin kein zweiter Reinhard Marx, ich bin Georg Bätzing.“ Und betont gleich mehrfach, wie wichtig ihm das Zuhören ist. „Jeder und jede ist es wert, ihm zuzuhören“, sagt er. Er will verstehen, warum jemand eine bestimmte Meinung vertritt. Eine Gabe, die dem robusten Reinhard Marx nicht in gleicher Weise geschenkt ist – was einige Kritik an dessen Amtsführung nach sich gezogen hatte. Bätzing setzt auf Vermittlung, das zeigt auch sein bischöflicher Wahlspruch: „Congrega in unum“. Das heißt: Führe zusammen.

Doch bedeutet das keineswegs, dass der neue Vorsitzende nicht klare Positionen vertritt. So kann er sich sogar eine Aufhebung des Pflichtzölibats gut vorstellen. „Ich glaube, es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind, zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen oder ehelos leben wollen“, sagte er in einem Interview. Aber er betont auch, wie wichtig es sei, den Zölibat als Lebensform zu „retten“. Er selber bleibt dabei: „Mir ist der Zölibat viel wert. Denn so hat Jesus gelebt.“ Den Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern sieht er kritisch. Er sieht „Veränderungsbedarf“ in der Kirche.

Nicht nur Kardinal Marx ist hochzufrieden mit der Wahl. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), würdigt Bätzing als klugen Gesprächspartner, EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm die ökumenische Aufgeschlossenheit. Jetzt beginnt die schwierige Sacharbeit.

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