Washington – Der Katzenjammer ist groß im Lager von Bernie Sanders, dem 78-jährigen selbsternannten „demokratischen Sozialisten“. Nach den Ergebnissen des „Super Tuesday“, bei denen Konkurrent Joe Biden endgültig vom politischen Totenbett auferstand, machen sich düstere Erinnerungen an 2016 breit. Damals weigerten sich ebenfalls Millionen Afro-Amerikaner in den Südstaaten der USA, für Sanders zu stimmen – und votierten stattdessen für Hillary Clinton, die später spektakulär an Donald Trump scheiterte. Seine Kampagne sei im Süden „ermordet“ worden, lamentierte er damals. Und Sanders wie auch seine Helfer beklagten 2016 auch, dass sich die Führung der Partei gegen ihn verschworen habe. Nun wittert Amerikas Linke erneut eine Verschwörung gegen Sanders und dessen Absicht, im Land für eine politische „Revolution“ zu sorgen.
Da ist zum einen der Umstand, dass ausgerechnet einen Tag vor dem „Super Tuesday“ die Mitbewerber Amy Klobuchar und Pete Buttigieg – beide zählen wie Biden zur gemäßigten Mitte – ihre Präsidentschafts-Kampagne beendeten und sich für Biden aussprachen. Das gab dem früheren Vize Barack Obamas erheblichen Rückenwind. Dann veröffentlichte die einflussreiche „Washington Post“ ein Meinungsstück des prominenten Autoren Max Boot – mit einem verbalen Torpedo gegen Sanders. „Bitte, Demokraten, gebt ihm nicht die Chance, unsere Wahlaussichten gegen Trump oder unsere Wirtschaft zu beschädigen“, hieß es da. Gestern ging Sanders zum Angriff über. Er warf Biden vor, „seit 40 Jahren“ Kürzungen bei den Sozialausgaben zu verteidigen und von „großen Unternehmen und Milliardären“ unterstützt zu werden. „Wir können mit alten Rezepten (US-Präsident) Trump nicht besiegen“, betonte Sanders. Zugleich rief er zu einem fairen Wettkampf gegen Biden auf: „Ich mag Joe, Joe ist ein guter Typ und ich will nicht, dass diese Kampagne eskaliert“, sagte er.
Unterdessen lichtet sich das Bewerberfeld: Senatorin Elizabeth Warren hat sich offiziell aus dem Rennen verabschiedet. Sie sprach sich aber zunächst noch nicht für einen der verbleibenden Bewerber aus. F. DIEDERICHS