Fünf nach Schröders Geschmack

von Redaktion

München – Gelegentlich mischt sich Gerhard Schröder in Debatten ein, die ihn eigentlich nichts angehen. Die Suche der CDU nach dem geeigneten Kanzlerkandidaten ist eines dieser Themen, zu denen er gerne seine Meinung kundtut. Schröder favorisiert Armin Laschet, und das so eindeutig, dass er schon mal eine Wette auf dessen Sieg angeboten hat. Der NRW-Ministerpräsident reagierte geschmeichelt, aber auch ein wenig pikiert über das Lob von links. Schröders Einfluss in der Union sei „eher überschaubar“. Der Altkanzler verstand und ließ ausrichten, er werde sich ab sofort mit öffentlichen Einschätzungen zurückhalten.

Mit der eigenen Partei geht Schröder weniger rücksichtsvoll um. Von Zeit zu Zeit meldet er sich mit Zwischenrufen aus der Kulisse, die in der Regel nicht vor Begeisterung über die aktuelle SPD-Politik strotzen. In einem Interview mit dem „Spiegel“ spendet er dem Duo Esken/Walter-Borjans nun das vergiftete Lob, die beiden hätten „dazugelernt“. Das klingt nicht viel besser als die berüchtigte Zeugnisformulierung „hat sich stets bemüht“.

Dass die Doppelspitze nicht mehr mit jeder Wortmeldung Grundsatzdebatten auslöst, schreibt Schröder vor allem Rolf Mützenich zu. Der Fraktionsvorsitzende habe ihnen mit klaren Worten („Leute, mal langsam“) vermittelt, wer in der SPD über die Zukunft der GroKo entscheide. Mützenich ist dann auch einer aus jenem überschaubaren Kreis, dem Schröder größere und ganz große Aufgaben zutraut.

Anders als mittlerweile beim CDU-Mann Laschet hat er keine Scheu, seinen Genossen die Eignung fürs Kanzleramt öffentlich zu attestieren. „Vier, fünf Leute“ kämen in Frage: Olaf Scholz, Franziska Giffey, Hubertus Heil, Lars Klingbeil und eben Mützenich. Gewisse Präferenzen mag Schröder nicht verhehlen. Der Finanzminister Scholz habe „große internationale Erfahrung“, mehr als jeder andere aus dem Quintett, und könne „natürlich“ eine wichtige Rolle übernehmen. Aber auch der Generalsekretär Klingbeil wäre offenbar ein Kanzler nach Schröders Geschmack. Es sei schließlich nicht leicht, eine Volkspartei wie die SPD zu managen. „Man braucht jemanden, der das kann. Und Lars Klingbeil kann es.“ Dass er mit seinen Wortmeldungen gelegentlich auch noch die CDU-Vorsitzende in Rage versetzt, nötigt Schröder ebenfalls Respekt ab.

Einer von diesen Fünf, findet Schröder, sollte für die SPD ins Rennen gehen: „Meine Empfehlung: Setzt euch zusammen und entscheidet das.“ Ach ja, und irgendwann müsste natürlich noch jemand die Parteiführung informieren. MARC BEYER

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