Kabul – Bizarre Szenen in Afghanistan: Auf dem Gelände des Präsidentenpalastes in Kabul haben sich die langjährigen politischen Rivalen Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah gestern in getrennten Zeremonien zum Präsidenten des Landes erklärt. Während der Vereidigungszeremonien mit hunderten Gästen waren in der afghanischen Hauptstadt zwei Explosionen zu hören. Mehrere Gäste flüchteten.
Ghani und Abdullah vollzogen ihre Amtseinführung an zwei verschiedenen Orten auf dem Gelände des Palastes. Unter dem Geheul von Alarmsirenen sagte Ghani vor den verbliebenen Gästen seiner Zeremonie, er trage keine schusssichere Weste. „Ich werde bleiben, selbst wenn ich dafür meinen Kopf opfern muss.“
Ghani war Mitte Februar, fünf Monate nach der von Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl, zum Wahlsieger erklärt worden. Sein unterlegener Kontrahent, Regierungschef Abdullah, erkannte das Wahlergebnis nicht an und rief eine Gegenregierung aus. Der Wahlkommission zufolge kam Ghani bei der Wahl im September auf 50,64 Prozent der Stimmen, Abdullah auf 39,52 Prozent. Der Streit der Rivalen nährt die Angst vor einer erneuten politischen Krise in Afghanistan und überschattet das Abkommen zwischen den USA und den Taliban.
Derweil begannen die US-Streikräfte ihren im Abkommen zugesicherten schrittweisen Abzug aus Afghanistan. Innerhalb der nächsten 135 Tage wolle man die Truppenstärke auf 8600 Mann reduzieren, teilte ein Sprecher am Abend mit. Die US-Streitkräfte seien aber weiterhin in der Lage, ihre Anti-Terror-Missionen gegen Al-Kaida oder die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fortzuführen