Berlin – Nach dem stellvertretenden SPD-Chef Kevin Kühnert plädiert auch Vizekanzler Olaf Scholz dafür, die Frage der sozialdemokratischen Kanzlerkandidatur nicht erst im Wahljahr 2021 zu beantworten. „Es spricht vieles dafür, die Kanzlerkandidatur der SPD noch in diesem Jahr zu klären“, sagte der Bundesfinanzminister dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Den genauen Zeitpunkt werden wir aber nicht über die Zeitung diskutieren, sondern intern besprechen und gemeinsam festlegen.“
Juso-Chef Kühnert hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, die SPD werde sich nicht erst 2021 mit der Kanzlerkandidatur beschäftigen. „Unser Hauptinteresse ist, dass wir diese Frage schneller klären als bei den letzten Malen“, sagte er. Es gebe einen breiten Willen in der Partei, „die Öffentlichkeit damit nicht ewig auf die Folter zu spannen“. Die nächste Bundestagswahl steht regulär im Herbst 2021 an.
Scholz sagte, er freue sich, dass wieder über einen Kanzlerkandidaten der SPD geredet werde. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagte der Finanzminister, der selbst als potenzieller Kandidat gilt. In Umfragen hatte sich die SPD zuletzt leicht auf 15 bis 17 Prozent verbessert, nachdem sie monatelang bei vielen Instituten bei lediglich 13 Prozent lag. Der neue SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hatte angezweifelt, ob einen eigener Kandidat sinnvoll ist.
Dafür hatte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gleich mehrere Sozialdemokraten für geeignet befunden. „Ich finde, dass vier, fünf Leute infrage kommen“, sagte er und nannte Scholz, Hubertus Heil, Franziska Giffey, Rolf Mützenich und Lars Klingbeil.