München – Per Durchsage verkündete Miesbachs Gymnasialdirektor Rainer Dlugosch am Freitagvormittag, dass die Schüler ab Montag nicht mehr im Schulhaus erwünscht sind. Schulfrei – drei Wochen, mit Osterferien sogar fünf Wochen. Doch großer Jubel kam nicht auf, denn Dlugosch wies gleich daraufhin, dass jetzt eben nicht fünfwöchige Ferien ausgebrochen sind. Die Schüler sollen weiterhin lernen – zu Hause. „Wir müssen“, sagt der Schulleiter, „die Notsituation so gut es geht auffangen.“
Wie andere Schulen verlässt sich das Gymnasium nun auf die staatliche Lernplattform Mebis, eine Erfindung des Kultusministeriums. Über Mebis können virtuelle Klassenräume aufgebaut werden, Schüler erhalten online Aufgaben, können sie an die Lehrer zur Korrektur zurückschicken. Denkt man das zu Ende, könnte so ein täglicher Notunterricht aufrechterhalten werden.
Könnte – denn am Freitag brach der Server von Mebis wegen „stark erhöhter Last von Mebis-Nutzer-Accounts“ erst einmal zusammen. Das Kultusministerium sprach auf Anfrage von „Performance-Problemen“.
Man bemühe sich um Zukauf von Server-Kapazitäten. „Wir verzeichnen drastisch gestiegene Zugriffszahlen.“
Das war aber am Freitag nur eines der Probleme mit der doch ziemlich abrupt verfügten Schulschließung, der nach Bayern wie auf eine Perlenschnur gezogen alle anderen Bundesländer folgten – als letzte am Nachmittag Sachsen und Rheinland-Pfalz. Als hätte er es geahnt, hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon Freitagfrüh, als er zusammen mit Kultusminister Michael Piazolo die Schulschließungen erläuterte, gewarnt: Anfangs werde es wohl etwas holpern.
Das betraf am Freitag nicht nur Mebis. Heinz-Peter Meidinger, Chef des Lehrerverbands und Schulleiter in Deggendorf, fand generell die Infos, die da am Vormittag aus München eintrudelten, „äußerst dürftig“. Er sorgt sich ums Abitur: Die Schüler der 12. Jahrgangsstufen hätten eigentlich noch etliche Klausuren zu schreiben, die fürs Abitur zählen. Manche benötigen dringend Punkte, um das Abitur überhaupt zu bestehen. Das geht jetzt nicht mehr. Wie das Ministerium das Problem lösen wird, war am Freitag noch nicht raus. Ohnehin wackelt der Zeitplan fürs Abi. Start wäre eigentlich am 30. April – nur zehn Tage nach der (nicht sicheren) Wiederöffnung der Schulen. Intern bereitet das Ministerium schon Szenarien vor, das ganze Abi zu verschieben. Wahrscheinlicher ist, nur einen Teil der Schüler in Kleingruppen schreiben zu lassen und für die übrigen ein bis zwei Nachprüfungen anzusetzen. Piazolo versichert: „Bayern entwirft zusätzliche Abituraufgaben.“
Doch das ist schon Zukunft. Erst einmal müssen die Schulen sich am Montag für die Betreuung von Kindern wappnen, deren Eltern in den „systemkritischen“ (Söder) Arbeitsplätzen bei Polizei, Feuerwehr, Medizin oder Pflege, aber auch Nahverkehr und Müllentsorgung unabkömmlich sind. Eine genaue Definition der Berufe wird erst erarbeitet. Vor allem Grundschulen rätseln, wie viele Kinder am Montag auftauchen werden – Erhebungen über die Anzahl gibt es nicht. Auch Ganztagsbetreuung, wo gebucht, wird es weiter geben. Betreut werden aber nur Kinder von der ersten bis sechsten Klasse, stellt Piazolo klar. „Es ist nicht so, dass man sein Kind einfach so in die Schule schicken kann und glaubt, das werde irgendwie geregelt.“ Er appelliert an die Eltern, sich in der Kürze der Zeit um die Betreuung zu kümmern – Nachbarn, Freunde, Sonderurlaube, das sind seine Lösungsvorschläge.
Auch in den 9800 Kindergärten und -krippen im Freistaat gibt es Notgruppen zur Betreuung, sagt Sozialministerin Carolina Trautner. Denn die naheliegendste Betreuungslösung scheidet aus: Zu den Großeltern, warnt Söder eindringlich, sollen die Kinder nicht. Zu groß wäre die Gefahr, dass sie sich bei infizierten Kindern anstecken.