München – Die am Mittwoch eingeführten Gesundheitskontrollen an der österreichisch-italienischen Grenze führen auf der italienischen Seite des Brenners zu kilometerlangen Lkw-Staus. Am Mittwoch und Donnerstag staute es sich sogar rund 80 Kilometer lang – bis zurück nach Bozen. Das bestätigte die Verkehrsmeldezentrale Bozen der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Die verschärften Kontrollen und die daraus resultierenden Staus führten zu heftigen Beschwerden des Verbands italienischer Frachtführer. Dieser rief die österreichische Regierung dazu auf, mit neuen Maßnahmen einen flüssigeren Verkehr am Brenner zu gewährleisten. Außerdem warnte der Verband vor „unkontrollierten Protestaktionen“ der Lkw-Fahrer. Auch der italienische Industriellenverband Confindustria zeigte sich empört. „Alle Bemühungen der italienischen Unternehmen in diesen Wochen, um weiterhin zu produzieren und die Wirtschaft nicht zum Erliegen zu bringen, werden regelrecht von Pseudo-Vorsichtsmaßnahmen versenkt, die von der Tiroler Landesregierung mit der Unterstützung der österreichischen Bundesregierung aus Opportunismus auf der Brenner-Autobahn eingeführt worden sind“, erklärte der Verband.
Seit Mittwoch wird bei allen Lkw-Fahrern, die italienische Waren transportieren, die Temperatur kontrolliert, auch wenn sie Tirol auf dem Weg nach Deutschland oder Nordeuropa nur passieren. Laut Confindustria komme es zu Verzögerungen von ein bis zwei Tagen, leicht verderbliche und frische Produkte könnten deshalb nicht mehr rechtzeitig geliefert werden. Aufgrund der vorgegebenen Ruhezeiten könnten Lkw-Fahrer außerdem nicht beliebig lange im Stau stehen. Sie müssten zwischenzeitlich ausfahren und sich anschließend erneut in den Stau einreihen.
Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) habe laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA bereits am Mittwoch „sofortige Lösungen“ versprochen. Die italienische Verkehrsministerin Paola De Micheli forderte am Donnerstag die Normalisierung des Transits, sowohl im Straßen- als auch im Bahnverkehr. „Es gibt keine sanitären Bedürfnisse, die das Einschränken des Warenverkehrs rechtfertigen.“ Doch in der Pressekonferenz der österreichischen Regierung am Freitag wurde die Brenner-Problematik nicht thematisiert.
Um die Lage zu entspannen, wurde inzwischen eine zusätzliche Lkw-Kontrollspur am Brennerpass aufgemacht. Da der Pkw-Verkehr praktisch völlig zum Erliegen gekommen ist, wurde auch diese zur Lkw-Abwicklung eingesetzt. Außerdem unterstützen inzwischen zehn Mann des Bundesheers die Sanitäter beim Fiebermessen. Der Verkehr konnte so am Freitag etwas entspannt werden.
Tirol hat zudem beschlossen, für Samstag das Wochenendfahrverbot für Lkws auszusetzen. „Es muss an den Grenzkontrollen mit voller Kapazität gearbeitet werden, um einen weitgehend fließenden Verkehr zu gewährleisten“, sagt Sabine Lehmann, Geschäftsführerin des Landesverband Bayerischer Spediteure. Dies sei sowohl für die Versorgung der Menschen als auch die Wirtschaft essenziell. Ihnen sei aber auch bewusst, dass hierfür an den Grenzen „viel getan“ werde. LISA BIRNBECK