Berlin – Wer in diesen Tagen einkaufen geht, steht teilweise vor leeren Regalen. Allein in der vergangenen Woche hat der Lebensmittelhandel ein Umsatzplus von 14 Prozent gemacht. Ein Gespräch über Corona mit dem Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland, Christoph Minhoff.
Herr Minhoff, das Coronavirus lässt die Kassen klingeln. Freut Sie das?
Nein, ganz und gar nicht. Wir sorgen uns genauso um die Gesundheit unserer Kunden. Zudem kaufen die Menschen ja auf Vorrat. Es ist davon auszugehen, dass die Kunden die Einkäufe dann auch aufbrauchen werden. Angesichts der Fernsehbilder aus anderen Ländern denken vielleicht viele darüber nach, wie ernähre ich mich in den nächsten zwei Wochen. Das ist ja noch kein irrationales Verhalten.
Wann wird es irrational?
Wenn ich mich nicht für zwei Wochen, sondern für zwei Jahre bevorrate. Das ist natürlich Unsinn. Das schafft erst leere Regale.
Muss man sich trotzdem auf größere Engpässe einstellen?
Derzeit sind die Lager gut gefüllt. Die Herausforderung könnte darin bestehen, dass weiterhin genügend Fahrer für den Transport zur Verfügung stehen. Die Transportbranche ist von dem Virus ja genauso betroffen wie alle anderen Wirtschaftszweige mit viel Personal. Aber derzeit funktioniert alles reibungslos.
Bei Klopapier und Nudelprodukten scheinen die Engpässe am größten. Wie erklären Sie sich das?
Bei Klopapier ist mir das auch ein Rätsel. Was die Nudelprodukte angeht: Die Menschen suchen derzeit nach haltbaren und leicht zu verarbeitenden Lebensmitteln. Wir wissen seit Jahren, dass die Kochkompetenz der Deutschen erheblich gesunken ist. Viel zu viele sind nicht mehr in der Lage, sich aus vier oder fünf Komponenten eine vernünftige Mahlzeit selber zuzubereiten. Nudeln kochen dagegen kann praktisch jeder. Außerdem spielt die Essensversorgung durch die Gastronomie in Deutschland eine sehr große Rolle.
Was meinen Sie damit?
Will sagen, wenn jetzt Restaurants virusbedingt schließen, dann greifen auch deshalb viele zu Lebensmitteln, mit denen sie daheim gerade noch so umgehen können. Umso mehr, wenn sie lange haltbar sind und einen hohen Sättigungseffekt haben.
Was würden Sie Hamsterkäufern jetzt raten?
Ich würde ihre Sorgen ernst nehmen, aber dringend darauf hinweisen, dass die Geschäfte weiter geöffnet haben werden und genügend Lebensmittel angeboten werden. Ganz nebenbei: Eine ausgewogene Ernährung ist gerade in gesundheitlichen Krisenzeiten wichtig, und die besteht nicht aus zwei Monaten Spaghetti mit Tomatensoße.
Interview: Stefan Vetter